Berliner Bäderbetriebe : „Jedes einzelne Bad braucht ein Konzept“

Mit einem Sanierungsprogramm will Ehrhart Körting (SPD) die Schwimmbäder retten. Der Innensenator überrascht, denn er gibt mehr Geld als erwartet.

Körting
Innensenator Ehrart Körting (SPD) ist Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Bäderbetriebe. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich/ TSP

Fünf Millionen Euro mehr pro Jahr soll es für die Bäderbetriebe ab 2010 geben. Wofür wird das Geld gebraucht?

Vor allem für Instandsetzungen. Derzeit haben die Bäderbetriebe in ihrem Wirtschaftsplan vier Millionen Euro pro Jahr, das sind verteilt auf die 37 Hallen- und 14 Sommerbäder weniger als 100.000 Euro pro Bad. Damit können kaputte Schränke oder kleinere Reparaturen gemacht werden, aber keine Instandsetzungen. Deshalb läuft derzeit auch das 50-Millionen-Euro-Sanierungsprogramm.

Die 50 Millionen reichen nicht aus?

Nicht, um die Bäderlandschaft, wie wir sie jetzt kennen, dauerhaft zu erhalten. Auch nach dem Abschluss der Sanierung 2012 werden wir Instandsetzungen haben, die die Bäderbetriebe künftig selbst stemmen sollen.

Auch die seit eineinhalb Jahren geschlossene Halle an der Finckensteinallee in Lichterfelde soll wieder in Betrieb gehen. Wann ist es so weit?

Wenn der Hauptausschuss grünes Licht gibt, können die planerischen Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen. Allerdings wird es ein komplett anderes Bad geben: der Sprungturm fällt weg und das Becken ist nur noch 1,80 Meter tief. Das spart Kosten. Die Halle ist aber wichtig, um das Schulschwimmen sicherzustellen und den Nachwuchs an das Schwimmen heranzuführen. Wir haben ein Gutachten in Auftrag gegeben, das besagt, dass wir nur so die Besucherzahlen halten können.

Das müssen Sie erklären.

Bei dem aktuellen Bäderangebot geht unser Gutachter von einer möglichen Besuchersteigerung von maximal zehn Prozent aus. Ich glaube nicht, dass wir entscheidend mehr Gäste gewinnen, wenn wir das Angebot ausweiten, durch Saunen oder Wellnessangebote. Viel wichtiger ist es, das Schwimmen zu unterrichten. Denn nur wer als Kind schwimmen lernt, nutzt auch später die Bäder. Deshalb habe ich auch meinen Frieden mit dem Baerwaldbad gemacht.

Das war letztlich der Grund, damit das von einem Verein betriebene Bad in Kreuzberg weitermachen kann?

Einer der Gründe. Im Baerwaldbad gehen ja nicht nur viele Schüler schwimmen, sondern auch muslimische Frauen. Dafür sind gerade die alten Bäder, die wir haben – also das Baerwaldbad, die alte Halle in der Krummen Straße oder das Stadtbad Neukölln –, besonders geeignet, denn sie sind von außen nicht einsehbar. Wir müssen den Muslima dieses Angebot machen, die aus ihrer Mentalität heraus einen abgeschirmten Raum zum Schwimmen brauchen.

Der Verein wollte 400.000 Euro für den Betrieb des Baerwaldbades haben …

… was absurd ist. Für diesen Preis hätten wir es selber machen können. Es kann ja nicht sein, dass ein Verein oder ein Privater sagt, er könne es billiger als die Bäderbetriebe, im Nachhinein aber mehr verlangt.

Es bleibt beim bisherigen Zuschuss?

Ja, 170.000 Euro zahlen die Bäderbetriebe dafür, dass Schulen und Vereine dort schwimmen können, der Bezirk will etwas dazugeben, aber der Senat zahlt darüber hinaus nichts.

Die Sommerbäder – wie etwa Pankow, Prinzenbad oder Forckenbeckstraße – sollen an Private verpachtet werden.

Beim Verpachten bin ich vorsichtig. Wir brauchen für jedes einzelne Bad ein Konzept. Wenn jedoch keine seriöse Planung vorliegt, werden diese Bäder auch nicht abgegeben, dann machen es die Bäderbetriebe weiter. Aber es kann im Einzelfall für Private oder Vereine interessant sein. Es gibt da schon ein Beispiel in Neukölln …

… das Sportbad Britz, das von einem Verein betrieben wird aufgrund eines Vertrages, den noch das Bezirksamt Neukölln abgeschlossen hat und der dazu führt, dass die Betriebskosten fast vollständig von den Bäderbetrieben getragen werden.

Wenn im Gegenzug der Verein die Personalkosten für Wasseraufsicht und Badewärter trägt, kann das ein Modell sein. Anderswo kann es interessant sein, wenn der Betreiber die Kosten der baulichen Unterhaltung nicht übernehmen muss. Jedenfalls wollen wir auch die 14 Sommerbäder unterhalten, inklusive solcher Bäder wie am Olympiastadion.

Gibt es dort ein Problem? Das Bad ist sehr gut besucht.

Stimmt, aber es ist trotzdem in einem desolaten Zustand, was die Tribünen angeht. Wenn ich diese wiederherstellen will, brauche ich einen zweistelligen Millionenbetrag und den habe ich einfach nicht.

Das Schwimmbad am Olympiastadion steht zur Disposition?

Nein, aber wir brauchen eine Lösung für die Tribünen, die heute niemand mehr benötigt. Schwimmwettbewerbe finden ausschließlich in der Halle statt, da brauchen wir die Zuschauerplätze nicht mehr. Einen ähnlichen Fall haben wir mit dem Reiterstadion, wo der Moderne Fünfkampf stattgefunden hat. Die Tribüne ist größtenteils bauaufsichtlich gesperrt. Will ich sie denkmalgerecht instandsetzen, kostet das sechs bis sieben Millionen Euro – für zwei Veranstaltungen pro Jahr. Das ist wie mit dem Flughafen Tempelhof: Man darf sich bei Investitionsentscheidungen nicht von romantischen Gefühlen leiten lassen.

Also Abriss der Tribünen?

Ich bin grundsätzlich für die Erhaltung von historischer Bausubstanz, wir brauchen nur eine Nutzung dafür. Das ist ähnlich am Strandbad Wannsee. Dort haben wir jetzt schön und teuer sanierte Hallen, aber wozu? Niemand wird sich mehr in ein instandgesetztes Strandrestaurant Lido setzen. Deshalb ist es richtig, wenn wir das Strandbad Wannsee, wie alle anderen Freibäder auch, an Private abgeben.

Das Strandbad Wannsee ist bauhistorisch ein Musterbeispiel für ein Volksbad.

Das ist richtig, aber wir müssen es unterhalten können. Wenn wir die Hallen nicht nutzen, dann kann ich dafür keine Steuermillionen mehr ausgeben. Die 1920er Jahre kommen nicht mehr zurück.

Das Gespräch führte Matthias Oloew

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