Berliner Bäderbetriebe : Kostendruck, Sommerbäder und ein Wasserrohrbruch

Der Kostendruck ist hoch und die Bäderbetriebe müssen sparen. Am Olympiastadion muss man sich derweil wegen eines Wasserrohrbruchs vielleicht noch gedulden bis zur Eröffnung des Sommerbades.

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Auch die Bäderbetriebe müssen sich über Wasser halten.
Auch die Bäderbetriebe müssen sich über Wasser halten.Foto: dpa

Am Ende ist es teurer geworden als geplant – und zwar in allen drei Fällen. Aber wenigstens kann bald wieder gebadet werden. Die Bäderbetriebe nehmen drei große Standorte in der nächsten Zeit nach Sanierungsarbeiten neu in Betrieb: die Schwimmhalle Finckensteinallee in Lichterfelde und die Kombibäder in Gropiusstadt und Spandau-Süd. Die Freibäder an diesen beiden Standorten sollen zu Beginn der Sommersaison wieder eröffnet werden, die Hallen bis Ende des Jahres. Das Bad in der Lichterfelder Finckensteinallee öffnet nach den Sommerferien für den allgemeinen Publikumsverkehr. Das verkündete der Vorstand der Bänderbetriebe Ole Bested Hensing am Mittwoch.

Die neuen Tarife kommen an

In der Bilanz für das Jahr 2013 kann das Unternehmen ein Gästeplus für sich verbuchen: 6,47 Millionen Besuche stehen in der Bilanz – und damit deutlich mehr als im Vorjahr (6,11 Millionen).
Für die Besucher des Bads am Olympiastadion hatte Bäderchef Bested Hensing allerdings schlechte Nachrichten: Wegen eines Rohrbruchs sei der Wasserdruck dort zu niedrig, um pünktlich zur Sommersaison ins Becken zu springen. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran die Stelle im Rohr zu finden“, sagt Sprecher Matthias Oloew. Die Bäderbetriebe hätten noch den Ehrgeiz das Bad im Mai zu eröffnen, könnten es aber nicht garantieren. Nachdem das Leck geflickt wird, muss das Becken mit Wasser vollaufen, das Wasser mehrfach gefiltert und auf Keime im Labor untersucht werden. Das nehme mehrere Tage in Anspruch.
Auch zur Entwicklung der neuen Tarife, die seit Anfang des Jahres gelten gab Bested Hensing Auskunft. Im Januar und Februar seien die Besucherzahlen gesunken, im April zeichne sich aber eine Stabilisierung ab. „Die Berliner gewöhnen sich an die neuen Tarife“, sagte Bested Hensing. Für einkommensschwache Basdegäste sei der ermäßigte Tarif zwischen 10 und 15 Uhr um 22 Prozent gesunken.

Debatten um die Ausschreibung der neuen Bäder

Unterdessen verursacht das Unternehmen auch im Abgeordnetenhaus Debatten. Für Gropiusstadt und Spandau-Süd suchten die Bäderbetriebe per Ausschreibung private Betreiber. Zurzeit wird das Ergebnis der übriggebliebenen zwei Bewerber ausgewertet. Doch die Fraktionen im Abgeordnetenhaus lehnen es ab, die Bäder an private Betreiber zu übergeben.
Sportpolitiker Dennis Buchner (SPD) sagte, alle öffentlichen Hallenbäder sollten mit Personal der Bäderbetriebe unterhalten werden. Peter Trapp (CDU) sagte, das Unternehmen könne Saisonarbeiter einstellen, um diese beiden Kombibäder selbst zu betreiben. Außerdem könnten Azubis übernommen und Zeitverträge entfristet werden. Sportpolitiker Martin Beck (Grüne) wartet wie Steffen Zillich, parlamentarischer Geschäftsführer der Linken, auf das angekündigte, umfassende Bäderkonzept. „Davor sollten wir jetzt keine gravierenden Entscheidungen treffen“, sagte Beck. Für Zillich ist die Argumentation der Bäderbetriebe nicht plausibel. „Wieso soll der Betrieb über Private funktionieren, aber kein Geld für eigene Mitarbeiter da sein?“

Kostendruck bleibt hoch


Erklären musste sich Bested Hensing am Mittwoch auch zum Fall einer Mitarbeiterin, die sich öffentlich beklagt, von den Bäderbetrieben schlecht behandelt worden zu sein. Nadine Nitezki kann wegen der Folgen einer Erkrankung ihre bisherige Aufgabe, die Aufsicht über den Badebetrieb, nicht mehr ausüben. Nun gibt es Streit darum, zu welchen Konditionen sie trotzdem weiter im Unternehmen beschäftigt sein könnte. Ein Angebot, in Zukunft für ein geringeres Gehalt als Kassiererin zu arbeiten, hat Nitezki abgelehnt und will nun vor Gericht ziehen. Bäderchef Bested Hensing hingegen glaubt, das Unternehmen sei seiner Verantwortung gerecht geworden: „Wenn ich als Vorstand nicht mehr weiterarbeiten kann, würde ich mich über ein Alternativangebot sehr freuen.“

Unabhängig vom Einzelfall ist klar: Die Bäderbetriebe müssen sparen. Das Unternehmen schiebt einen ungedeckten Fehlbetrag von 5,6 Millionen Euro vor sich her. Die Deckungslücke für den laufenden Betrieb beträgt jährlich rund 2,5 Millionen Euro. Im Vorjahr konnte diese Lücke aus eigenen Mitteln ausgeglichen werden. Das Land pumpt seit 2012 jährlich 50 Millionen Euro in den Betrieb, davon werden 45 Millionen Euro durch den laufenden Betrieb aufgezehrt. Fünf Millionen Euro bleiben für Investitionen übrig


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