• Berliner Bäderbetriebe: Landessportbund will die geplante Schließung von 18 Schwimmbädern nicht hinnehmen

Berlin : Berliner Bäderbetriebe: Landessportbund will die geplante Schließung von 18 Schwimmbädern nicht hinnehmen

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Gerade mal ein Bierdeckel Wasserfläche pro Berliner, nämlich 0,01 Quadratmeter, galten bislang als Richtwert für eine angemessene Versorgung mit städtischen Schwimmbädern. Nun sind es nur noch 0,0075 Quadratmeter, nachzulesen in einem 63-seitigen Papier der Berliner Bäderbetriebe (BBB) mit dem Titel "Status, Konsolidierung und Perspektive". BBB-Chef Klaus Lipinski hat sein rasch als "Schließungskonzept" bekannt gewordenes Papier am Mittwochabend vorgestellt, bei einer Diskussions-Veranstaltung der Grünen. Er erntete erwartungsgemäß Protest. Denn darin ist von Bäderschließungen die Rede.

Wenn es nach Lipinski geht, werden 18 der 83 Berliner Schwimmbäder zumindest "temporär" geschlossen, davon sechs Sommerbäder. Entschieden ist noch nichts. Der BBB-Aufsichtsrat unter Sportsenator Klaus Böger (SPD) behandelt das Thema am 18. Juli. Vor einer Schließung soll nach dem Willen Bögers auf jeden Fall geprüft werden, ob sich private Betreiber finden.

Die kurze Geschichte des 1996 gegründeten landeseigenen Unternehmens ist von Anfang an eine wenig glanzvolle. Dringende Sanierungen blieben aus. Die Schulden wuchsen auf 27 Millionen Mark an. Viele Bäder verfallen. Die Vorstände gaben sich die Klinke in die Hand. Lipinski soll es nun richten, aber die 260 Millionen Mark für nötige Investitionen kann auch er nicht aus dem Hut zaubern. Zwar hat der neue Senat den diesjährigen Landeszuschuss von 83,3 Millionen Mark um 27 Millionen Mark erhöht, damit die BBB die Schulden begleichen können, doch zurzeit können nicht mal die laufenden Kosten gedeckt werden. Unsaubere oder beschädigte Umkleidekabinen, verkürzte Öffnungszeiten und Dauerbaustellen wie im Strandbad Wannsee sind die Folge. Nach Ansicht Lipinskis führt kein Weg an Schließungen vorbei. Doch Sportvereine, Personalrat und private Nutzer wollen sich wehren. "Das war klar", sagt Lipinski.

"Die Bäder sind in ganz Deutschland in einer schwierigen Situation", sagt Michael Weiland vom Bundesverband öffentliche Bäder. Berlin sei jedoch, anders als es auf den ersten Blick scheint, unterversorgt, vor allem, was die Qualität der Anlagen betrifft. Elf der Berliner Hallen sind rein öffentlich, elf sind Kitas, Vereinen und Schulen vorbehalten, 26 sind Mischbäder. "Dieses Nutzergruppenkonzept hat sich bewährt" sagt Hahn. Denn Vereine benötigen - beispielsweise - keine Spaßrutsche.

Weiland schlägt kühn vor, auch Kitas, Schulen und Sportvereine, die zurzeit kostenlos baden gehen und dadurch indirekt subventioniert werden, zur Kasse zu bitten. Hahn hält eine Kostenbeteiligung angesichts des hohen ehrenamtlichen Sportler-Engagements in den Schwimmhallen für unakzeptabel. Der Landessportbund vertritt 50 000 Schwimmsportler. Von Rettungsschwimmen über Tauchen, Behinderten- und Babyschwimmen bis zu Wettkampfsport reicht das Angebot. Nach dem BBB-Diskussionspapier sollen sieben Schul- und Vereinsbäder wegfallen. "Das nehmen wir nicht hin", sagt Hahn. Es müsse andere Wege geben, die Bäder zu sanieren: Sponsoring, Optimierung, Übertragung der Grundstücke. Hahn verweist auf den "sozialen Faktor" des Schwimmens, und auf die volksgesundheitlichen Aspekte: "Das Land kann sich nicht aus dieser Verantwortung stehlen, indem es alles durch die betriebswirtschaftliche Brille sieht."

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