Berlin : Berliner Bäderbetriebe: Ortwin Scholz bleibt dem Wasser treu

akr/sve

Die Zeit der kommissarischen Leitung bei den Berliner Bäderbetrieben (BBB) ist beendet: Fast drei Monate nach der Entlassung des alten Vorstands bestellte der Personalausschuss des Aufsichtsrates gestern Ortwin Scholz zum außerordentlichen Vorstand. Er soll die Bäderbetriebe leiten, bis ein endgültiger Vorstand gefunden ist. Das wird voraussichtlich noch drei Monate dauern.

Der 62-jährige studierte Betriebswirt Scholz war seit 1982 kaufmännischer Vorstand bei den Berliner Wasserbetrieben. Auf diesen Posten wird er auch zurückkehren. Nebenbei hat Scholz zahlreiche andere Funktionen, unter anderem berät er die russische Regierung in Wasserfragen. "Ich werde mich bemühen, bei den Bäderbetrieben schnell Akzente zu setzen, aber wie die genau aussehen sollen, kann ich noch nicht sagen", sagte Ortwin Scholz gestern.

Seit der Entlassung der bisherigen Bäderchefs wegen angeblicher Misswirtschaft führte Jürgen Kießling, Abteilungsleiter der Senatssportverwaltung, die Bäderbetriebe kommissarisch. Die Stelle des Vorstands wurde im Dezember ausgeschrieben, inzwischen seien "60 bis 70 Bewerbungen" eingegangen, heißt es aus dem Personalausschuss.

Sowohl auf Scholz als auch auf den endgültigen Vorstandschef warten schwierige Aufgaben. Als "besorgniserregend" bezeichnet Kießling die Verbindlichkeiten der BBB. Es müsse dringend ein Konsolidierungskonzept auf den Tisch. Das Budget für die bauliche Unterhaltung der Bäder sei schon von den Bezirken von Jahr zu Jahr zurückgenommen worden.

Laut Kießling soll auf der nächsten Aufsichtsratssitzung Ende Januar unter anderem die endgültige Aufgabe der vier stillgelegten Bäder in Prenzlauer Berg, Lichtenberg, Treptow und Charlottenburg beschlossen werden. Die BBB müssten jedes Jahr 120 000 Mark für die Betriebskosten und den Pachtzins dieser Bäder zahlen. Der Landesrechnungshof hatte dies wiederholt bemängelt.

Wie berichtet, hatten die alten Vorstandschefs, Günter Kube und Dietmar Ranz, gegen ihre fristlose Entlassung geklagt. Der Prozess soll im Spätsommer vor dem Arbeitsgericht stattfinden. Sie strebten die "totale Rehabilitierung" an, sagte ihr Anwalt Karlheinz Knauthe gegenüber dem Tagesspiegel. Die Vorwürfe gegen sie seien eine "Luftnummer" des Schulsenators, da die angeblichen Verstöße schon seit zwei Jahren dem Aufsichtsrat bekannt gewesen seien. Laut Knauthe leben Kube und Ranz "von ihren Ersparnissen". Der späte Prozesstermin, der auf die Überlastung des Gerichts zurückgehe, sei "skandalös".

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