Berlin : Berliner Bäderbetriebe: Werden Azubis fünf Freibäder übernehmen?

Sabine Beikler

Als "oberster Bademeister der Stadt" will sich Sportsenator Klaus Böger (SPD) nicht bezeichnen lassen, doch als Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) kann er sich auch nicht völlig frei schwimmen. Ende des vergangenen Jahres mussten die beiden Vorstände Günter Kube und Dietmar Ranz ihre Posten aufgeben, nachdem der Aufsichtsrat Missmanagement vorgeworfen hatte. Jetzt ist Böger wieder einmal über die BBB verärgert: "Ich bin not amused, wie die Bäderbetriebe mit ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden umgehen und Indiskretionen verbreiten." Im Gegensatz zu anders lautenden Meldungen habe er einem Konzept nicht zugestimmt, wonach Azubis Bäder übernehmen sollen. Von seiner Kritik möchte Böger ausdrücklich den Interims-Vorstand Ortwin Scholz ausgenommen wissen.

Es geht um die für den Senator nicht zufriedenstellend verlaufende Privatisierung von acht Frei- und Sommerbädern, die eigentlich in diesem Jahr geschlossen bleiben sollten. Böger sagte dem Tagesspiegel, die Freibäder Halensee, Jungfernheide, Tegel, Grünau und Wendenschloss werden trotz der Einsparungen doch "einschichtig an fünf Tagen der Woche" geöffnet.

Streitpunkt ist ein Konzept der BBB, wonach 40 Azubis diese Badeanstalten übernehmen sollen. Ihnen will man BBB-Mitarbeiter zur Seite stellen. Böger sagte, dass das Konzept "vom Ansatz her eine gute Idee ist, aber völlig unausgegoren". Deshalb habe er entgegen anders lautenden Meldungen dem Vorschlag noch nicht zugestimmt. Böger kritisierte, dass die genannten Freibäder nach diesem Konzept mittwochs und sonntags geschlossen bleiben sollen. "Das geht nicht, weil viele Leute gerade sonntags zum Schwimmen wollen." Der Aufsichtsratsvorsitzende möchte auch durchsetzen, dass mindestens ein Sommerbad in jedem Bezirk am frühen Morgen öffnet. Unterstützung bekommt Böger in diesen Punkten vom Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU). "Wir wollen eine flexiblere Gestaltung der Öffnungszeiten, die sich an den Bedürfnissen der Badegäste orientieren", sagte Senatssprecher Michael-Andreas Butz.

Die Berliner Bäder-Betriebe erhalten 2001 vom Land Berlin 84 Millionen Mark. Durch die Einsparungen könnten Bäder nicht saniert werden. Hinzu kommen laut Böger ein strukturelles Finanzierungsdefizit von rund 20 Millionen Mark und laufende Kosten von rund zehn Millionen Mark. Zurzeit werden alle 83 Bäder auf ihre Wirtschaftlichkeit untersucht. Ein Konzept soll im Mai vorgelegt werden. Ob weitere Bäder teilweise oder ganz geschlossen werden, will Böger nach der Wirtschaftlichkeitsprüfung diskutieren.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar