Berlin : Berliner Bankaffäre: Aubis-Kredite waren bankintern hoch umstritten

Ralf Schönball

Der Vorstand der Berlin Hyp hat die Mitglieder ihres Aufsichtsrats in die Kredit-Entscheidung zugunsten der umstrittenen Immobilienfirma Aubis "hineingezwungen". Dies sagte Wolfgang Steinriede vor dem Untersuchungsausschuss zur Bankenaffäre. Streinriede war in dem Kontrollgremium bis Ende 1996 tätig. Ein weiteres Mitglied des Kreditausschusses, Manfred Bodin, sagte, er habe die 1996 beantragten Darlehen für den Ankauf von Plattenbauten zunächst abgelehnt. Die vorgelegten Unterlagen hätten keine Angaben zur Zahlungsfähigkeit der Aubis-Gesellschafter Klaus Wienhold und Christian Neuling enthalten. Zudem habe er eine Begrenzung der Kredithöhe auf 350 Millionen Mark verlangt.

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Das Restrukturierungskonzept der Bankgesellschaft Berlin Von Ungereimtheiten bei der Kreditvergabe sprach die für Aubis zuständige Sachbearbeiterin Manuela Stratmann. Deshalb habe sie ihre Unterschrift unter den Verträgen verweigert. Die Finanzierung der Plattenbauten sei aus ihrer Sicht "nicht mehr tragbar gewesen". Ihre Weigerung, den Krediten zuzustimmen, begründete die Angestellte so: Sie kenne keinen Fall, wo die Bank neben dem Immobilien-Kaufpreis auch Nebenkosten und Vorkosten finanzierte.

Die unterschiedlichen Auffassungen zwischen dem Vorstand der Berlin-Hyp und der Leitung der Bankgesellschaft Berlin führten nach Angaben des damaligen Konzernchefs Steinriede zu einer zweimaligen Abweisung der Kreditanträge von Aubis. Derartiges habe er in seiner 42-jährigen Banker-Karriere niemals erlebt. Der Streit entzündete sich, als ein größerer Kredit für den Erwerb von Plattenbauten in Leipzig im Jahr 1996 vor der Entscheidung stand. Erst nachdem die Berlin-Hyp-Vorstände auf Drängen der Konzernspitze das Privatvermögen der Unternehmer mit 70 Millionen Mark bezifferten und dem Kontrollgremium zusicherten, der Aubis Kredite von höchstens 350 Millionen Mark einzuräumen, will Konzernchef Steinriede "mit Bauchgrimmen" zugestimmt haben.

Ende 1996 sei die Kredit-Grenze dennoch überschritten worden. Darauf habe er "sauer reagiert" und seinem Nachfolger Wolfgang Rupf eine Untersuchung des Engagements durch die Konzern-Revision dringend angeraten. Dies erfolgte jedoch nicht. Die Berlin Hyp muss heute rund 200 Millionen Mark auf das Aubis-Engagement abschreiben.

In einer Pressekonferenz erklärte Justizseantor Wolfgang Wieland, im Zusammenhang mit der Bankenaffäre seien noch 19 Verfahren offen. Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue richteten sich auch gegen Konzernchef Wolfgang Rupf. Das Verfahren gegen den ehemaligen Berlin-Hyp-Chef Klaus Landowsky wegen Annahme einer Barspende über 40 000 Mark für die CDU von den Aubis-Managern sei wegen Verjährung eingestellt. Ebenfalls vor der Einstellung stehe das Verfahren wegen Parteiverrats gegen den im Fall Aubis tätigen Rechtsanwalt und Ex-Finanzsenator Klaus Riebschläger (SPD).

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