Berliner Banken : Angst ums Geld - Ansturm auf Verbraucherzentrale

Die Kreditinstitute versichern, dass in Berlin das Bargeld nicht knapp wird. Aber es mangelt an Informationen über die Folgen der Finanzkrise: Die Berliner Verbraucherzentrale wird mit Anfragen überhäuft. Die Grünen fordern eine Beratungs-Hotline.

Ralf Schönball,Jan Oberländer

Die Berliner werden ihrem Ruf gerecht: Sie bewahren die Ruhe auch in der Krise. Der große Sturm bleibt trotz täglich neuer Hiobsbotschaften über „ausgetrocknete Kreditmärkte“ und „mangelnder Liquidität“ an den Schaltern der Banken aus. Die Geldautomaten sind nach Angaben mehrerer Banken „prall gefüllt“ und es gibt keine Anzeichen dafür, dass Bargeld knapp werden könnte. Dagegen mangelt es an Informationen über die Folgen der Finanzkrise: Die Berliner Verbraucherzentrale wird mit Anfragen überhäuft. Politiker fordern vom Senat deshalb die Finanzierung einer Hotline.

Kunden von Deutscher Bank, Commerzbank und Sparkasse gaben sich gestern Nachmittag betont entspannt, Panik war nicht zu spüren. Hier 20 Euro für die Praxisgebühr, dort 50 Euro fürs Mittagessen oder 100 Euro, „weil ich nichts mehr in der Tasche hatte“ – die Geldautomaten leerten sich nur in kleinen Schritten. „Dass ich etwas abgehoben habe, hat nichts mit der Finanzkrise zu tun“, lachte eine Studentin vor der Sparkasse, „bis jetzt mache ich mir keine Sorgen.“

Dagegen berichtete eine Tagesspiegel-Leserin, dass ihr in einer Berliner Filiale der Postbank die Auszahlung von mehr als 300 Euro verweigert worden sei. Man habe dies mit der „Finanzkrise“ begründet. Eine Postbank-Sprecherin wies das zurück: „Eine solche Regelung gibt es nicht.“ Allenfalls in „Postagenturen“ – Lottoläden mit kleinem Postschalter – dürfe man nicht immer mit gefüllten Kassen rechnen. Dagegen könne man in allen Finanzcentern der Post jederzeit mehrere tausend Euro abheben. Größere Summen, etwa 50 000 Euro, stünden von einem Tag auf den nächsten bereit. An Automaten gelte das übliche Limit von 1000 Euro am Tag.

Großer Andrang soll auch bei der Dresdner Bank in der Gropiusstadt geherrscht haben. Aber auch hier gibt es Entwarnung: „Panikreaktionen kann ich ausschließen“, sagte ein Sprecher. Sicher gebe es Einzelfälle, in denen Kunden höhere Barbeträge abgehoben hätten. Die Bank könne aber nicht wissen, ob damit ein Auto gekauft wird oder das Geld wegen der Krise abgeholt werde. Alle Banken melden aber vermehrt Anrufe verunsicherter Kunden. Die Berliner Bank reagierte darauf so: Die Spareinlagen, schrieb sie ihren Kunden, seien „bis zu einer Summe von 84 Millionen Euro“ abgesichert. Das habe gewirkt: „Die Bargeldabhebungen bewegen sich im ganz normalen Rahmen“, sagte eine Sprecherin. Die Höhe der Bargeldabhebungen werde kontinuierlich online überwacht.

Sogar Erfolgsmeldungen gibt es mitten in der Finanzkrise: von den Sparkassen der Landesbank Berlin. „Tagesgelder, einjähriges Festzinssparen und auch das Sparbuch sind sehr gefragt“, sagte eine Sprecherin. Hier könnten die Sparkassen zusätzliche Einlagen verzeichnen: „Es kommen deutlich mehr Kunden, auch Neukunden.“ Die Sparkassen gelten als besonders krisenfest, weil sie einen öffentlich-rechtlichen Haftungsverbund bilden und den Bundesländern und Kommunen gehören.

Wegen der Finanzkrise forderten die Berliner Grünen den Senat auf, der Verbraucherzentrale mehr Geld für Beratungen bereitzustellen. An der Finanzierung einer Hotline für verunsicherte Bürger sollten sich auch Banken beteiligen. Die Verbraucherzentrale begrüßte die Forderung. Mit der gegenwärtigen Finanz- und Personalausstattung sei die „Flut von Anfragen verunsicherter Anleger nicht zu bewältigen“, hieß es dort.

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