Berlin : Berliner Bankenaffäre: Aubis-Chef kam, sah und schwieg

Ralf Schönball

Selten empörten sich die Mitglieder des Untersuchungsausschusses zur Bankenaffäre bislang so wie gestern. Der Auftritt des geschäftsführenden Gesellschafters der umstrittenen Aubis-Gruppe erregte die Gemüter gleich zu Beginn der Sitzung: Klaus Wienhold, dessen Firma von der Berlin-Hyp 600 Millionen-Kredite für den Erwerb von Plattenbauten erhielt, verlas eine eineinhalbstündige Erklärung, wonach die Bank im eigenen Interesse und unter Ausübung von Druck die Immobilien der Aubis-Gruppe übernommen habe. "Das war eine Märchenstunde, die mit keinen Unterlagen übereinstimmt", sagte Ausschusschef Uwe Benneter dazu. Mehrere Mitarbeiter der Berlin Hyp hatten die Aubis bei früheren Ausschusssitzungen als Sanierungsfall seit dem Jahr 1997 bezeichnet.

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Die Krise der Bankgesellschaft Berlin Lautstarken Unmut löste unter den Ausschussmitgliedern auch Wienholds Weigerung aus, jegliche Frage zum Aubis-Engagement zu beantworten. Der in weißem Anzug und rosarotem Hemd angetretene Geschäftsmann berief sich auf ein angebliches Aussageverweigerungsrecht. Benneter kündigte an, Zwangsmaßnahmen gegen Wienhold beim Amtsgericht zu beantragen und forderte eine Gesetzesänderung, um das "Kartell des Schweigens" aufbrechen zu können. Zu den Aubis-Geschäften laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte bei Hausdurchsuchungen Geschäftsunterlagen der Aubis beschlagnahmt. Durchsucht wurde auch das Haus von Hannelore Pottmann, Ex-Chefin der Aubis-Gruppe und zuvor Mitarbeiterin der Berlin-Hyp. Auch sie verweigerte die Aussage.

Benneter sagte ferner, bei den Ermittlungen gehe es auch um den Verdacht der Beihilfe zur Untreue und zur Insolvenzverschleppung. Den Aubis-Konkurs habe die Berlin-Hyp verhindert, und die folgende Sanierung sei finanziell nachteilig für die Bank gewesen. Die Aubis sei heute schuldenfrei. "Das ist ein Skandal, und dafür werden sich die Vorstände strafrechtlich verantworten müssen", so Benneter. Denn die damaligen Vorstände hätten den Sanierungsplan "massiv durchgedrückt", gegen den Widerstand von Bank-Mitarbeitern. Dies bestätigte auch der Betriebsratschef der Berlin-Hyp Ulrich Gott vor dem Ausschuss. Die Bankführung habe Sachbearbeiter ab 1997 "gemobbt".

Eine ganz andere Darstellung versuchte Klaus Wienhold glaubhaft zu machen. Die Aubis-Gruppe habe mit der Bank beschlossen, bis Ende 1996 15 000 Plattenbauwohnungen zu erwerben. Daran habe nach dem Führungswechsel in der Bankgesellschaft auch deren neuer Chef Wolfgang Rupf festgehalten. Eine Sonderprüfung durch die Bankenaufsicht 1997 habe weder Beanstandungen noch Wertberichtigungen ergeben. Ende 1997 habe die Berlin Hyp den Kredit um 230 auf 615 Millionen Mark angehoben.

Ein weiterer Zeuge, der ehemalige Angestellte der Aubis-Gruppe Bodo Wende, berichtete von fragwürdigen Auftrags-Vergaben durch Aubis an die Firma Gegenbauer. Diese erbrachte Hauswartsleistungen. Der Auftrag sei ergangen, ohne konkurrierende Angebote einzuholen. Wende sagte, der sonst übliche Wettbewerb sei hier von der Geschäftsführung "nicht unbedingt gewollt" gewesen. Werner Gegenbauer war Aufsichtsrat bei Aubis.

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