Berlin : Berliner Bankenkrise: "Seriöse Vorstände hätten das nicht getan"

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Die Krise der Bankgesellschaft Berlin hat bisher noch nicht die Weberbank erfasst, dessen Eigentümer Sie bis vor wenigen Jahren waren, und deren Aufsichtsrat Sie noch sind. Besteht diese Gefahr?

Zum Thema Online Spezial: Finanzkrise in Berlin So weit wird es nicht kommen. Die Weberbank ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Das heißt, wir haben nicht einen Vorstand, der mit großen Abfindungen nach Hause geht, sondern persönlich haftende Gesellschafter. Diese haften mit ihrem eigenen Vermögen. Ich habe mein gesamtes Vermögen immer für die Bank eingesetzt. Wer persönlich haftet, muss als echter Kaufmann handeln. Darin liegt ein entscheidender Unterschied zu Direktoren oder Vorständen von Banken.

Andererseits bewohnt auch der persönlich haftende Gesellschafter Grün eine Vorstandsvilla, die ihm der Bankenkonzern weit unter den Kosten vermietethat. Was halten Sie davon?

Dazu kann ich nichts sagen. Ich habe immer mein eigenes Haus gehabt und wohne seit 1934 auf demselben Grundstück. Für mich geht es um die kaufmännische Ethik.

Die Öffentlichkeit sieht die Ausgaben der Banker für eigene Repräsentationszwecke vor dem Hintergrund des urplötzlich aufgetretenen Milliarden-Lochs in der Konzern-Bilanz. Gilt hier, anders als für normale Menschen, dass Misswirtschaft belohnt wird?

Die Euphorie in der Wiedervereinigungs-Phase hat bei vielen Banken zu Riesenverlusten geführt. Man kann sagen, das sei Inkompetenz gewesen. Darin liegt aber nicht das eigentliche Problem. Die Misere bei der Bankgesellschaft ist nicht nur durch inkompetente Kreditgewährung entstanden, sondern durch die Vernachlässigung der Grundsätze kaufmännischer Ethik.

Weil Banker für Politiker und sich selbst Fonds mit Gewinngarantien auflegten?

Ja, man kann keine Gewinne garantieren. Das ist die Verletzung einer Grundregel. Darin liegt das Problem. Diese Verletzung der Grundregel hätten alle Mitglieder des Aufsichtsrats gleich anmahnen müssen. Auch Bausenator Peter Strieder hätte als Aufsichtsratschef der LBB sofort seinen Finger heben müssen. Solche Geschäfte macht man einfach nicht.

Wurden Ihnen die Geschlossenen Immobilienfonds Gehag und Gardelegen angeboten?

Ja, ich habe sie aber sofort abgelehnt. So etwas kauft man nicht. Es ist unseriös, einen Fonds mit garantiertem Gewinn anzubieten.

Fehlverhalten wird auch dem Banker Klaus Landowsky vorgeworfen. Wie beurteilen Sie dessen Rolle in der Bankenaffäre?

Ich habe nie verstanden, wie Klaus Landowsky zwei hauptamtliche Tätigkeiten zugleich annehmen konnte. Eine Bank zu führen und den Fraktionsvorsitz einer großen Volkspartei zu übernehmen, das kann nicht gutgehen. Das war ein grundsätzlicher Fehler. Ich hatte auch die Möglichkeit, weitere Ämter anzunehmen, doch ich habe das immer abgelehnt. Neben meiner Arbeit in der Bank war ich lediglich ehrenamtlicher Kurator des Johannesstiftes. Das war Arbeit genug. Das Johannesstift ist die zweitgrößte diakonische Anstalt der evangelischen Kirche in Deutschland und gibt tausend Behinderten ein Heim. Ich war nie versucht, Ämter zu häufen. Das war für mich immer eine Grundfrage kaufmännischer und politischer Ethik. Allerdings sind es im Fall Landowsky Fehltritte eines einzelnen Manns und nicht der ganzen CDU. Jetzt mit Schuldzuweisungen zu arbeiten, wie es die SPD tut, ist nicht honorig. Die SPD war selbst jahrelang in den wichtigen Aufsichtsräten der Bank vertreten. Da kann sie doch nicht alle Schuld beim Koalitionspartner abladen. Auch das sind ethische Verwerfungen, und damit muss es aufhören.

Sie sprechen von Ethik, gehört dazu nicht auch Verantwortung? Derzeit will niemand schuld am Milliarden-Loch sein. Gibt es keine Schuld und keine Sühne?

Mir scheint, das Entscheidende liegt im Verlust der Standesehre. Diese Erosion findet unter Kaufleuten, Rechtsanwälten und Journalisten gleichermaßen statt. Durch diese Entwicklung wurden letztlich auch die Geschäfte mit den Geschlossenen Immobilienfonds möglich, die die Bankgesellschaft nun in Schwierigkeiten gebracht hat. Vorstände seriöser Banken hätten diese Fonds nicht angefasst. Man baut Häuser, wenn es Bedarf gibt und nicht, weil es Steuervorteile verspricht. Die Steuermodelle waren unseriös, aber das liegt in der Verantwortung der Politik. Dies führte zum Bau von Altersheimen, Bürohäusern und Wohnungen, für die es in dieser großen Zahl keinen Bedarf gab. So entstanden Fehlinvestitionen statt produktiver Investitionen.

Noch einmal zur Frage der Verantwortung. Anfang des Jahres hatte Bankchef Rupf die Zahlung einer Rendite versprochen. Jetzt verlangt er vier Milliarden frisches Kapital. Wie ist so eine Fehleinschätzung möglich?

Als Außenstehender fehlt mir der Einblick in die Details. Ich nehme aber an, dass es sich beim Kapitalbedarf um Bewertungsverluste handelt. Die Aktiva werden sicherlich noch da sein. Das Bundesaufsichtsamt hat jedoch eine andere Bewertung des Vermögens verlangt. Die Folge könnte sein, dass eines Tages sehr hohe außerordentliche Gewinne entstehen. Bei den fehlenden Milliarden handelt es sich ja nicht um Verluste aus dem Betrieb der Bank. Im Gegenteil, der Bankkonzern arbeitet ja mit Gewinn.

Die Verlierer sind aber die Berliner. Damit der Senat die Milliarden aufbringen kann, muss er an sozialen Leistungen, am Straßenbau und an vielem mehr sparen...

Dazu kann ich nichts sagen. Aber die Regierungskrise löst das Problem der Bankgesellschaft Berlin auch nicht. Im Gegenteil, es entstehen neue Kosten. Die derzeitigen Staatssekretäre und Senatoren gehen mit hohen Pensionen nach Hause und die Neuen bekommen hohe Bezüge.

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