Berliner Baustellen : Viel geplant, nix passiert

Was wird eigentlich aus dem durchgehenden Uferweg entlang der Spree?

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Seit mehr als zehn Jahren schmiedet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Pläne für Uferwege entlang der Spree. Ziel: ein durchgehender Spazierweg am Fluss durch ganz Berlin. Was ist bis jetzt aus diesen Plänen geworden?

Am konkretesten sind die Pläne für Friedrichshain-Kreuzberg. Im Mai hatte Bezirksbürgermeister Franz Schulz angekündigt, dass die ersten Bauarbeiten für den Uferweg im Abschnitt zwischen Jannowitzbrücke und Lohmühleninsel in diesem Sommer beginnen sollten. Laut Senatsverwaltung könnte sich der Beginn der Arbeiten an den ersten zwei Teilabschnitten, dem Ufer westlich und östlich der Oberbaumbrücke, auf 2013 verzögern. Denn noch sind nicht alle Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern abgeschlossen. Wo Uferwege nicht möglich sind, weil die Bebauung direkt ans Wasser reicht, soll der Weg über Stege führen. Die Finanzierung übernimmt das Bauförderungsprogramm Stadtumbau West. Zwei Jahre sind allein für die Fertigstellung der ersten beiden Teile von insgesamt fünf Abschnitten geplant. Bis der gesamte Uferweg in Friedrichshain-Kreuzberg fertig ist, dürfte es also noch dauern.

In Schöneweide sind schon einige Uferwege entstanden, etwa zwischen dem Kaisersteg und der Treskowbrücke in Oberschöneweide, wenn auch bisher nicht durchgehend. Auf dem Gelände der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) gibt es seit April 2011 einen Fuß- und Radweg entlang der Spree. Auch der BMX- und Skaterpark Mellowpark hat einen Uferweg. Mit den Besitzern einiger Privatgrundstücke, auch neben dem Gelände der HTW, verhandelt das Bezirksamt Treptow-Köpenick noch über einen möglichen Uferzugang. Alternativ Stege übers Wasser zu führen, wie in Friedrichshain-Kreuzberg geplant, ist aus Kostengründen keine Option für Schöneweide.

In Niederschöneweide gibt es Pläne für einen Uferweg auf dem einstigen Industriegelände an der Schnellerstraße. Wann sie allerdings umgesetzt werden, kann im Bezirksamt niemand sagen. Ähnlich geht es der Wilhelminenhofbrücke, deren Bau noch nicht begonnen hat. Sollte sie eines Tages stehen, soll auch hier ein Uferweg bis zur Treskowbrücke gebaut werden. Kritisch mitverfolgt wird das Geschehen an der Schöneweider Spree von der Bürgerinitiative „Schöneweider Ufer“.

Schöne Pläne mit viel Grün für die Spreehalbinsel Sophienwerder in Spandau finden sich auf der Homepage der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Bis Sophienwerder tatsächlich die gewünschte grüne Oase ist, müssten allerdings Brücken und Wege für Radler und Fußgänger gebaut werden, denn es gibt keinen direkten Zugang zur Halbinsel. Momentan ist das Areal zwischen Spree und dem Ruhlebener Altarm noch reines Industriegebiet. Unter anderem der Baustoffhersteller Cemex und die Spandauer Verwaltung des Berliner Wasser- und Schiffbauamtes befinden sich hier.

Auch am Spandauer Nordufer auf dem Festland soll es laut Homepage künftig Uferwege geben. Deren Realisierung ist allerdings ein auf 20 Jahre angelegtes Projekt. Wie so oft ist hier die Finanzierung ein Problem, da Privatflächen angekauft werden müssten. Laut Einschätzung eines Bezirksamtsmitarbeiters wird Spandau das letzte Teilstück eines hoffentlich eines Tages vollständigen Spree-Uferweges. Denn: In der Senatsverwaltung halte man Spandau „nicht gerade für den Nabel der Welt“.

Fazit: Viel könnte und sollte. Ob diese Unklarheit den noch zu vagen Plänen oder schlicht der Sommerpause in Senatsverwaltung und Bezirksämtern geschuldet ist? Man solle im August noch einmal fragen, rät eine Verwaltungsmitarbeiterin. Bis dahin träumen die Berliner weiter von einem Uferspaziergang quer durch ihre Stadt.

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