Berliner Bausubstanz : Autofirmen auf den Flughafen, Diplomatenschule in die Kita

FLUGHAFEN WIRD MESSE

Der alte Flughafen Tempelhof als Standort der weltweit größten Modemesse Bread & Butter: Das ist ein kühner Identitätswechsel, den vor seiner Verkündung niemand für möglich gehalten hätte. Dem Flughafen Tegel steht diese Neuerfindung noch bevor. Große Autofirmen interessieren sich angeblich für das Abfertigungsgebäude, aber auch die private Beuth Hochschule für Technik.

KNAST WIRD HOTEL

Das DDR-Gefängnis Rummelsburg sollte eigentlich abgerissen werden, aber dann fand sich doch noch eine bessere Idee, zumindest für das Haus VIII. Darin können Berlin-Urlauber mit einem Faible für Gruselorte übernachten. 40 Euro kostet das, ein Schnäppchen. Die übrigen Backsteingebäude aus den Jahren 1877–1879 wurden zu Wohnungen umgebaut.

UNIVERSAL-ZENTRALE

Eines der beeindruckendsten Neuschöpfungen aus alter Bausubstanz ist die Deutschlandzentrale des Musikkonzerns Universal am Osthafen. Der Architekt Reinhard Müller öffnete die Fassade des ehemaligen Eierkühlhauses und nutzte das verzierte Backsteinmauerwerk als Rahmen für transparente Büroetagen.

BUNKER WIRD KUNSTHALLE

Der Kunstsammler Christian Boros kaufte den Luftschutzbunker an der Reinhardtstraße in Mitte. Im Bunker hängen jetzt seine Bilder und Skulpturen, gut geschützt. Obendrauf ließ Boros ein Penthouse stellen.

BETTENHAUS WIRD BÜRO

Aus dem 13-geschossigen Bettenhaus A des alten Krankenhauses Moabit hat die Berliner Immobilienmanagement GmbH, eine Tochterfirma des Landes, ein Bürogebäude für die mehr als 400 Mitarbeiter des Landesamtes für Gesundheit und Soziales gemacht. Umbaukosten: 11,6 Millionen Euro. Das Krankenhaus war 2001 geschlossen worden.

KLINIK ALS WOHNANLAGE

Die 19 Altbauten des Urbankrankenhauses in Kreuzberg werden derzeit zu rund 140 Wohnungen für Familien umgebaut. Für das Areal gab es viele Interessenten. Eine private Baugruppe aus 50 Anteilseignern setzte sich durch.

SCHULE ALS HERBERGE

Die denkmalgeschützte Max-Kreuziger-Schule in Friedrichshain wurde nach langem Leerstand zu Wohnungen der oberen Preisklasse umgebaut.

Die „Alte Schule“ in Karlshorst stand schon seit 1994 leer, bis sie 2006 mit Fördermitteln für einkommensschwache Familien ausgebaut wurde.

Die ehemalige Gemeindeschule am Ostkreuz, ein denkmalgeschützter Backsteinbau, wird zur Jugendherberge umgebaut. Das Gebäude stand nach dem Wegzug der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik leer.

DIPLOMATENSCHULE

An der Glockenturmstraße in Westend wird ein Gebäude, das als Kita und Kinderheim genutzt worden war, zur Berliner Dependance der Bonner König-Fahd-Akademie umgebaut. Die Immobilie stammt aus den 70er Jahren und wurde nicht mehr gebraucht. Künftig sollen hier bis zu 400 muslimische Diplomatenkinder unterrichtet werden.

SPEICHER ZU LÄDEN

Der ehemalige Hafenspeicher in Tempelhof verfiel jahrelang, bis ein Projektentwickler den großen Altbau zu Shoppingmeile, Ärztehaus und Tanzstudio umbaute. Das Projekt „Tempelhofer Hafen“ verschlang insgesamt 100 Millionen Euro, dafür entstand auf einer verfallenden Brache ein neues Zentrum für den Stadtteil.

BLUMENHALLE ALS MUSEUM

Die nutzlos gewordene Blumengroßmarkthalle an der Friedrichstraße hat sich das Jüdische Museum gesichert. Hier entstehen weitere Depot-, Seminar- und Ausstellungsflächen für das Museum.

KABELWERK WIRD CAMPUS

Die Gebäude der ehemaligen Kabelwerke Oberspree wurden 2006 zum neuen Standort der Hochschule für Technik und Wirtschaft ausgebaut. Für knapp 120 Millionen Euro. Vor dem Krieg gehörten die Hallen aus hellem Backstein der AEG.

MÄLZEREI WIRD QUARTIER

Auf dem Gelände der ehemaligen Mälzerei in Pankow entstehen Wohnungen und Lofts. Lange Zeit verfiel das 12 000 Quadratmeter große Areal an der Schönholzer Straße, galt als schwierig zu entwickeln wegen der großen Gebäudetiefen. Dann fand ein Investor doch den Mut, weil Luxus in alter Industriearchitektur die ideale Kombination ist, um Käufer zu locken.

KASERNE ZU LOFTS

Die McNair-Kaserne in Lichterfelde wird zu einer Wohnanlage mit Lofts und Penthouses umgebaut. Mit dem Label „Monroe-Park“ wird an die Geschichte dieser Gebäude erinnert. Aber nur an einen Teil. Das Areal entstand 1937 als Telefunken-Werk.

BRAUEREI WIRD GALERIE

In die stillgelegte Kindl-Brauerei an der Werbellinstraße in Neukölln ist die „Coaching Culture Gallery“ eingezogen. Das Ausstellen von Kunst ist allerdings nur eine Zwischennutzung, genau wie die große Wallenstein-Inszenierung von Peter Stein 2007. Ob der Standort langfristig eine Kultur-Brauerei wird wie in Prenzlauer Berg, ist zweifelhaft. Die Werbellinstraße befindet sich bislang weit außerhalb der szenetouristischen Boulevards. loy

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