Berliner Berater-Affäre : McKinsey ist weg – am Lageso geht’s weiter

Der Sozialsenator bedauert, dass die kostenlosen Berater jetzt aufhören. Viele Helfer meinen jedoch, dass gutes Personal noch wichtiger ist.

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Flüchtlinge in der Schlange vor dem Lageso.
Flüchtlinge in der Schlange vor dem Lageso.Foto: dpa

„McKinsey geht – ja und?“, fragt Dagmar Albrecht: „Ich habe von den Beratern nie einen zu Gesicht bekommen und so viel besser geworden ist es für die meisten Flüchtlinge auch nicht. Ohne Helfer haben die es immer noch sehr schwer.“

Dagmar Albrecht engagiert sich seit Langem für Flüchtlinge und kennt die Situation am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) zur Genüge: „Das Hauptproblem bestand von Anfang an darin, dass es viel zu wenige Mitarbeiter gab. Jetzt wurden ja endlich welche eingestellt, auch wenn es immer noch zu wenige sind. Aber mehr Personal ist das Entscheidende. Sonst helfen alle Berater nicht wirklich.“

Am Freitag hatte die Unternehmensberatung McKinsey bekanntgegeben, dass sie die kostenlose Beratung für das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) ab sofort einstelle – „vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse“. Mehr wolle man dazu auch nicht mitteilen, sagte eine McKinsey-Sprecherin am Sonnabend dem Tagesspiegel, aber natürlich seien mit den aktuellen Ereignissen die Vorwürfe an den Senat gemeint, dem Ex-SPD-Staatssekretär Lutz Diwell einen lukrativen Job bei McKinsey zugeschanzt zu haben.

Dass McKinsey kostenlos geholfen haben könnte, um irgendwann an gut bezahlte Aufträge zu kommen, weist auch Sascha Langenbach, der Sprecher der Berliner Sozialverwaltung, zurück. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, meint er. McKinsey habe vielmehr einen Beitrag leisten wollen, um die unerträgliche Situation am Lageso zu entschärfen und deshalb im vergangenen Herbst einen sogenannten Pro-bono-Vertrag über eine kostenlose Beratung abgeschlossen, der bis Mitte 2016 laufen sollte. Dass nun schon im März damit Schluss ist, bedauere man sehr, sagte Langenbach. Auch wenn es Außenstehende wie Flüchtlingshelfer nicht bemerkt hätten, habe McKinsey sehr zur Verbesserung der Abläufe und Prozesse beigetragen. So habe es eine deutliche Verringerung der Wartezeiten am Lageso gegeben. "Darüber hinaus hat das Pro-Bono-Team beim Aufbau des Standortes Bundesallee gute Beratungsleistungen geliefert", ergänzte Langenbach.

Unabhängig von McKinsey hat es am Lageso weitere Verbesserungen gegeben. So wurde die elektronische Gesundheitskarte eingeführt, Wärmezelte stehen auch nachts offen, 220 Sprachmittler sind im Einsatz. „Es ist einiges besser geworden, das ist aber eher den sinkenden Flüchtlingszahlen und vor allem dem Engagement und der Kompetenz des neuen Lageso-Chefs Sebastian Muschter zu verdanken“, sagt Anja Lüthy. Sie ist Professorin für Dienstleistungsmanagement an der Technischen Hochschule Brandenburg und ehrenamtliche Flüchtlingshelferin.

Muschter, der zunächst zum McKinsey-Team gehörte, hat den Posten nur kommissarisch bis zum Ende des Jahres übernommen, was Anja Lüthy sehr bedauert. „Der Mann hat wirklich schon viel bewirkt“, sagt sie: „Es gibt Leute am Lageso – beispielsweise bei der Wohnungsberatungsstelle des EJF oder beim Landesweiten Koordinierungsstab Flüchtlingsmanagement  – die leisten Großartiges. Wenn die wieder gehen müssten, das wäre viel schlimmer als die McKinsey-Berater.“

So ähnlich sieht es wohl auch der Sozialsenator. Auf Nachfrage des Tagesspiegels sagte Mario Czaja (CDU): „Das aufgebaute Kompetenzteam und die personelle Verstärkung stellen sicher, dass die Arbeit des Lagesos auch ohne Begleitung von McKinsey in Zukunft kontinuierlich immer besser wird.“

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes ist der Eindruck entstanden, Pressesprecher Langenbach habe gesagt, McKinsey sei auch mit Gesundheitskarte, Wärmezelten und Sprachmittlern befasst gewesen. Das ist nicht der Fall. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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