Berliner Blockade : Eissportler halten Verkehr auf Friedrichstraße auf

Die Verkehrsverwaltung genehmigt eine Eisanlage auf der Friedrichstraße, auf der ihr Chef im Dezember eigentlich wieder Autos fahren lassen will.

von
Baustelle wird Schaustelle. Die Friedrichstraße ist jetzt frei – aber nicht für Autofahrer.
Baustelle wird Schaustelle. Die Friedrichstraße ist jetzt frei – aber nicht für Autofahrer.Foto: dpa

Erst waren’s die Bagger, jetzt sind es Freizeitsportler auf einer Eisstockschießbahn, die den Autoverkehr auf der Friedrichstraße aufhalten. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hat zwar am vergangenen Wochenende überraschend verkündet, den gesperrten Abschnitt zwischen der Behrenstraße und der Mittelstraße Anfang Dezember freigeben zu wollen. Wie dies möglich werden soll, weiß aber derzeit niemand. Überrascht wurde wohl auch die eigene Verwaltung, denn diese hat auf dem Abschnitt zwischen Unter den Linden und der Mittelstraße auf der Fahrbahn Richtung Norden den Aufbau einer Eisstockschießbahn genehmigt, die bis Anfang Januar stehen sollte. Diese ist auch bereits aufgebaut und steht dem kommenden Autoverkehr im Weg. Nun sucht man nach einer Lösung, damit Müller sein Versprechen einlösen kann.

Eisstockschießen auf der Friedrichstraße

Die Genehmigung zum Aufbau der Eisstockschießbahn sei eine Erlaubnis auf Widerruf, sagte die Sprecherin von Müllers Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Rohland. Gemeinsam mit dem Betreiber suche man einen anderen Standort. Man prüfe aber auch, ob die Bahn stehen bleiben könne. Dann wäre die Friedrichstraße hier nur in eine Richtung zu befahren. Das Eisstockschießen würde dann direkt neben dem Autoverkehr erfolgen.

Die U6 fährt wieder durch
Vorbei, vorbei. 17 Monate war die Strecke zwischen Alt-Tegel und Alt-Mariendorf gesperrt.Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: Kitty Kleist-Heinrich
17.11.2013 16:47Vorbei, vorbei. 17 Monate war die Strecke zwischen Alt-Tegel und Alt-Mariendorf gesperrt.

Die Friedrichstraße ist seit Sommer 2012 in diesem Bereich gesperrt, weil die BVG dort einen neuen Tunnel für die U 6 bauen musste, unter dem später auch die neuen Röhren der U 5 liegen werden. Die Tunnelarbeiten sind abgeschlossen, die U-Bahn fährt seit dem 17. November durch ihre neue Röhre. Auch die Fahrbahn ist seit Ende Oktober fertig. Die zu Müllers Verwaltung gehörende Verkehrslenkung Berlin hatte es aber abgelehnt, die Straße freizugeben. Erst sollte auch die gesperrte südliche Fahrbahn des Boulevards Unter den Linden wieder befahrbar sein. Sonst komme es hier zum Stau, befürchtete man bei der Verkehrslenkung. Zumal es durch die Sperrung auch nicht zu größeren Staus gekommen sei.

Friedrichstraße sollte eigentlich erst im Frühjahr frei sein

Die Freigabe war für das Frühjahr geplant. Darauf hatte sich auch die BVG mit ihrer Baustelle eingestellt. Eine vorzeitige Öffnung der Friedrichstraße unterstütze man aber, sagte Sprecherin Petra Reetz. Von heute auf morgen sei dies aber nicht möglich. Zudem habe die BVG Sicherheitsbedenken bei den Fußgängern. Die Interessengemeinschaft Friedrichstraße, die sich für das schnelle Öffnen eingesetzt hat, habe vor dem Aufbau der Eisanlage gewarnt, sagte Mateusz J. Hartwich aus der Geschäftsführung.

Was die Verkehrslenkung bewogen hat, ihre Bedenken aufzugeben, war nicht zu erfahren. Ihr oberster Dienstherr Müller habe jedenfalls nicht eingesehen, dass im Untergrund die Züge der U 6 durch den neuen Tunnel fahren und auch an der Oberfläche die Baustelle fast verschwunden ist, der Verkehr aber trotzdem nicht rolle, heißt es in seinem Umfeld. Nun liegt die Sache womöglich wieder auf Eis.

14 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben