Berlin : Berliner Brunnen: Ein beliebter Klops und ein "Ach-so-Brunnen"

Sigrun Speckmann

Der Froschkönig und Frau Holle. In diesen beiden Märchen und vielen anderen spielt ein Brunnen eine wichtig Rolle. Als Symbol für das Geheimnisvolle, für den Übergang von der einen Welt in die andere. Denn die Brunnen sind tief und dunkel, aber gefüllt sind sie mit dem Symbol des Lebens, dem Wasser. Vielleicht faszinieren uns Brunnen darum so sehr, weil sie zwar Angst machen, aber immerhin zur Quelle, zur Wahrheit, zum richtigen Leben, zur Liebe führen. Wenn wir nur all unseren Mut zusammen nehmen und uns ins dunkle Nichts stürzen.

Die familienkompatible Version dieses hoffnungsvollen Sprungs in den Brunnen ist der Pfennig. Im Urlaub schmeißen wir ihn anstatt unserer selbst in den Brunnen, drücken die Augen dabei feste zu und wünschen uns, dass .... nein, sagen darf man es natürlich nicht, dann geht der Wunsch ja nicht in Erfüllung.

Brunnen, schöne Brunnen waren ein Zeichen der Anerkennung für die Wasserstelle, die die Besiedelung eines Ortes, der nicht direkt am Fluss lag, möglich machte. Ursprünglich waren sie der Mittelpunkt eines Dorfes, später wurden sie zusätzlich als Schmuck und zur Repräsentation aufgestellt. In Berlin gibt es etwa 500 Brunnen: Ziehbrunnen, Springbrunnen, künstliche Wasserfälle, Skulpturbrunnen. Viele dieser Brunnen sind jedoch gar nicht mehr in Betrieb, einige sind bepflanzt, zerstört oder stillgelegt. Der älteste Brunnen in Berlin ist ein Ziehbrunnen aus dem 14. Jahrhundert, der im Innenhof der Breiten Straße 35, in der Altstadt von Spandau, zwar nicht betrieben, aber geschützt wird. Zwei Brunnen stammen aus dem 18. Jahrhundert, der Jacobsbrunnen auf der Pfaueninsel und der venezianische Brunnen im Hof des Rathauses Wilmersdorf. Im 19.Jahrhundert entstanden in Berlin 19 Brunnen und im 20. Jahrhundert war endgültig der Brunnenboom ausgebrochen. In lockerer Folge möchten wir Ihnen nun diese Brunnen in Berlin vorstellen, ihre Geschichten erzählen und die historische Bedeutung erklären.

Im Amtsdeutsch heißt sie Weltkugel-Brunnen, der Volksmund sagt "Wasserklops" zu der Brunnenanlage auf dem Breitscheidplatz in Charlottenburg. Nach einem architektonischen Konzept von Ivan Krusnik und Oskar Reith wurde er im Rahmen der Neugestaltung des Breitscheidplatzes am 12. August 1983 in Betrieb genommen. Für die Brunnengestaltung zeichnet sich Joachim Schmettau verantwortlich. Der "Wasserklops" gilt als die größte, vielgestaltigste und städtebaulich interessanteste moderne Wasseranlage in Berlin. Das Zentrum bildet eine strukturierte Kugel aus rötlichem portugiesischen Granit, die in einem Bassin mit Sprudelfontänen, Bogenstrahlen, Kaskaden und einer gebogenen Wassertreppe steht. Das dynamische oder leise plätschernde Wasserspiel wird durch ein vielschichtiges Figurenprogramm aus Bronze und Granit bereichert. Thematisch bezieht sich der Brunnen auf den bevölkerten Erdball: Es wird gebadet, gespielt, gedacht, gearbeitet, phantasiert, man erinnert sich und gießt die Blumen oder trifft auf Unerklärliches. Verschiedene Realitätsebenen sollen miteinander in einen Zusammenhang gestellt werden, so dass sich für den Betrachter immer wieder neue Aspekte und Zusammenhänge ergeben.

Neben der Wasserstufe führen zwei Treppen ins Untergeschoss, getrennt durch eine "Flusslandschaft". Der Fluss entspringt einem Gebirge, eine Kuh grast, Bayern tanzen Schuhplattler. Dann folgt eine Stadt mit Hochhäusern.

Lange war der Brunnen umstritten. Die West-Berliner lehnten das 5,6 Millionen Mark teure Werk ab. Erst als die Wasserhähne aufgedreht wurden, verstummte die Kritik. Heute ist der "Wasserklops" Treffpunkt und ein Platz zum Ausruhen, Erholen und Sinnieren für viele Berliner und Touristen.

Der Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus wird zur Zeit für rund 280 000 Mark renoviert: die Brunnenschale soll erneuert und isoliert werden. Errichtet wurde die Anlage von Reinhold Begas zwischen 1886 und 1891. Ursprünglich stand der als "Forckenbecken" geläufige Brunnen - in Anspielung an die Forke Neptuns und an den damaligen Oberbürgermeister Max von Forckenbeck - auf dem Schlossplatz südlich des Berliner Stadtschlosses. Dort wurde er im November 1891 als Geschenk des Magistrats an Kaiser Wilhelm II feierlich enthüllt. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der beschädigte Brunnen der Neuanlage des Marx-Engels-Platzes weichen. In seine Einzelteile zerlegt, wurde er zunächst auf der Museumsinsel gelagert. Schliesslich erhielt er nach einer gründlichen Restaurierung 1969 seinen endgültigen Standort in zwischen Berliner Rathaus, Marienkirche und Fernsehturm.

Wie der Ostberliner Fernsehturm über Berlin, so thront der Meeresgott Neptun in einer riesigen Muschel auf einem wuchtigen Felsblock in zehn Meter Höhe. Er ist umgeben von seinem Hofstaat. Die vielen wasserspeienden Meerestiere und Putten erzeugen ein regelrechtes Fontänengewirr. Am Brunnenrand verkörpern vier weibliche Gestalten die in der Entstehungszeit des Brunnens als preußisch angesehenen Flüsse Rhein (mit Fischernetz und Weinlaub), Weichsel(mit Hölzern), Oder (mit Ziege und Fellen) und Elbe (mit Ähren und Früchten).

Der Neptunbrunnen hatte noch mehrere andere Namen, beispielsweise "Schlossbrunnen" und "Begasbrunnen". Am populärsten aber war die Bezeichnung "Ach-so-Brunnen": der häufigste Ausspruch des Berliners, wenn er über die wahre Bedeutung des am Brunnen sitzenden Damenquartetts erfuhr.

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