Berliner Bühnen : Neue Chance für Theater am Schlosspark

Der Schauspieler und Kabarettist Dieter Hallervorden will das seit Jahren geschlossene Schlosspark-Theater in Berlin-Steglitz übernehmen. Bis September 2009 möchte er das Haus "aus dem Dornröschenschlaf wecken".

Hallervorden
Der Schauspieler Dieter Hallervorden übernimmt das Berliner Schlosspark-Theater. -Foto: dpa

„Noch ist der Vertrag über das Schlosspark-Theater nicht unterschrieben“, betonte gestern Dieter Hallervorden. „Aber alle Zeichen stehen auf Grün“. Der Schauspieler und Kabarettist, Chef der Wühlmäuse, steht nach dem Ausschreibungsverfahren der Senatskulturverwaltung vor der Übernahme der Bühne. Er will das seit zwei Jahren leer stehende Steglitzer Theater „aus dem Dornröschenschlaf wecken, in der Tradition des Hauses mit großen, namhaften Regisseuren und Darstellern arbeiten“. Ohne Subventionen.

Eine Zweigstelle seines Kabarett-Theaters am Theodor-Heuss-Platz werde es nicht geben, versicherte der 73-Jährige. So ein Plan würde ihm auch öffentlich um die Ohren gehauen, meinte er. Das Steglitzer Theater sei „absolut verwahrlost“ und sehe aus, „als sei es bei Nacht und Nebel fluchtartig verlassen worden“. Er werde es vermutlich ein halbes Jahr lang renovieren müssen, Spielbeginn könne im September 2009 sein.

Torsten Wöhlert, der Sprecher der Kulturverwaltung, sagte gestern, die Verhandlungen dauerten an, „die Messen sind noch nicht gesungen“. Hallervorden will sich auch erst dann zu Details seines Programms äußern,wenn sein Mietvertrag unter Dach und Fach ist. Damit wird im nächsten Monat gerechnet. Es sei „Mut“ nötig, diese Bühne wieder den Berlinern zurückgeben zu können, meint er.

Um das Schlosspark-Theater hatte sich auch der Theatermann Cuco Wallraff beworben, ferner waren die Woelffer-Bühnen im Gespräch, deren Zukunft am Kurfürstendamm wegen möglicher Umbaupläne noch immer gefährdet ist. Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Michael Braun, betonte, das Haus müsse „gehobenes Niveau für ein bürgerliches Publikum“ sicherstellen. Es dürfe für dieses bauliche Kleinod nicht wieder einen Flop geben. Alice Ströver von den Grünen sagte, hier zeige sich, dass Senatskulturpolitik nichts kosten solle, Es sei schwer, gutes Theater ohne öffentliches Geld zu machen, sie fürchte trotz gegenteiliger Beteuerungen eine Zweigstelle der „Wühlmäuse“.

Fast zwei Jahre nach Leerstand und Rückzug von Heribert Sasse war das traditionsreiche Haus (Jahrzehnte verbunden mit dem Namen des Intendanten und Regisseurs Boleslaw Barlog) 2004 mit dem Musical „Pinkelstadt“ wiedereröffnet worden. Die Musicalfirma Stage Entertainment (Theater des Westens, Theater am Potsdamer Platz und Blue Men Theater) zahlte Miete, stellte aber vor zwei Jahren den Betrieb des Schlosspark-Theaters ein, die Stücke brachten nicht den gewünschten Erfolg. C. v. L.

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