Berlin : Berliner Busfahrer: Die Freiheit am Steuer, ohne Vorgesetzten im Rücken

tabu

Acht Mal um die Erde - jeden Tag legen die Busse der BVG diese Strecke auf Berlins Straßen zurück. Was sind das für Leute, die da hinter dem Steuer sitzen? Was bewegt sie, wenn Sie uns bewegen? Der Tagesspiegel ist mitgefahren bei Berlins Bus-Kapitänen und stellt täglich einen von ihnen vor. Mit dem heutigen Beitrag endet unsere Serie.

Sadi Karateke (35) war 12 Jahre alt, als er mit seiner Familie aus der Türkei nach Deutschland gezogen ist. Sein Wunsch war es, Autoelektriker zu werden. Doch wie das Leben so spielt, schlug sich Karateke erstmal mit schlecht bezahlten Jobs durch, beispielsweise mit Schneiden von Tonträgern. Irgendwann reichte es ihm, und er bewarb sich bei der BVG. Er sei immer schon gern Auto gefahren, sagt der Vater eines Sohnes und einer Tochter, und wie viele seiner Kollegen genießt er die Freiheit beim Fahren, "ohne Vorgesetzten im Rücken".

Vor einiger Zeit hat er mitbekommen, wie ein Kollege einen Nervenzusammenbruch bekommen hat, weil er dem Stress nicht gewachsen war. "Starke Nerven braucht man hier schon. Ich bin beispielsweise sehr gläubig eingestellt und kann mich dadurch selbst beruhigen."

Seine liebsten Fahrgäste sind die, die lächeln. "Das macht die ganze Sache etwas angenehmer, als wenn alle immer so miesepetrig sind." Eine Schlägerei hat er in seinem Bus allerdings auch schon miterleben müssen. Auf der Nachtlinie 21 seien mal russische Jugendliche eingestiegen. Sie haben sich mit anderen Jugendlichen geprügelt. Karateke hat sofort gebremst, als er das mitbekommen hat. Die Prügler konnten aber flüchten. Deswegen hat sich ein anderer, der eine blutige Nase bei der Schlägerei davongetragen hat, bei Karateke beschwert. "Der war nun noch sauer, dass ich die habe aussteigen lassen. Aber was hätte ich denn tun sollen?", fragt er.

Der begeisterte Autofahrer schwingt sich hin und wieder auch auf das Fahrrad. "Manchmal radel ich zu den Ablösepunkten im Dienst." Und wenn er mal keine Schicht hat, dann kümmert er sich ganz und gar um seine Familie, die ihn wegen der unregelmäßigen Arbeitszeiten sowieso schon zu selten sieht. "Und einkaufen, das steht in der Freizeit auch noch auf dem Programm."

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