Berlin : Berliner Busfahrer: Geschichtenerzähler im Luxus-Bus

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Acht Mal um die Erde - diese Strecke legen die Busse der BVG jeden Tag im Jahr auf Berlins Straßen zurück. Was sind das für Leute, die da hinter dem Steuer sitzen? Der Tagesspiegel ist mitgefahren bei Berlins Bus-Kapitänen.

Jürgen Noering (42) fährt den Edelbus. Bei ihm kostet das Ticket nicht vier Mark, sondern zehn. In seinem Bus liegen Zeitungen für die Fahrgäste aus, und sein Bus kann auch schneller fahren als die anderen, denn es geht auch ein Stück über die Autobahn. Jürgen Noering fährt den TXL. Das ist der Flughafenbus, der die Wegflieger aus der Mitte der Stadt nach Tegel oder andersherum die Ankommer nach Downtown bringt.

Im TXL hat der Busfahrer gute Chancen, seine Fahrgäste näher kennen zu lernen, weil die meisten von der Anfangs- bis zur Endhaltestelle mitfahren. Außerdem sind viele von ihnen Pendler. Die kommen immer wieder. Eine ältere Dame von etwa 90 Jahren, die Jürgen Noering stets freundlich grüßt, wenn sie mit ihm fährt, ist allerdings keine Pendlerin von Berufs wegen. Sie kommt regelmäßig aus Bayern nach Berlin, um sich am Lindencorso in Mitte absetzen zu lassen. Sie findet das Restaurant so außergewöhnlich, dass sie den weiten Weg aus München auf sich nimmt.

Mit den Berufspendlern ist das so eine Sache. Viele von ihnen verkriechen sich hinter den Zeitungen. Das ist für Jürgen Noering ein Zeichen, dass er nur der Fahrer sein muss und nicht der Geschichtenerzähler, der er auch sein kann. Wenn er den Eindruck hat, dass die Leute in seinem Bus neugierig und aufnahmebereit sind, dann fängt er an zu plaudern. Das ist zumeist am Wochenende der Fall, wenn nicht die Pendler, sondern die Touristen in seinem Bus sitzen. Dann erzählt er Schnurren aus der Berliner Geschichte. Die hat es ihm sehr angetan - und ein dankbareres Publikum als Berlin-Touristen kann es kaum geben.

In diesen Momenten findet der TXL-Fahrer seinen Job prima. Aber ein Traumberuf? Nein, das ist die Kutschiererei nicht, dazu schlaucht sie zu sehr. Aber besser als Straßenbahnfahren sei es allemal. Eineinhalb Jahre lang fuhr er auf Schienen. Das war ihm nichts. Vor allem das Bremsen. "Wenn du zu hart bremst, dann rutscht die Bahn einfach weiter. Und nicht zu knapp", sagt er.

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