Berlin : Berliner Castor-Polizisten "aggressiv" und "unbesonnen"

NRW-Innenminister Kniola erneuert Vorwürfe - Schönbohm findet sie "unverschämt" BERLIN/DÜSSELDORF (wvb).Der Streit um das Verhalten von Berliner Polizisten beim Castor-Transport vom 20.März geht weiter.Nordrhein-Westfalens Innenminister Franz-Josef Kniola (SPD) hat, wie gestern bekannt wurde, schon vor Wochen brieflich heftige Vorwürfe gegen Berliner Polizeieinheiten erhoben.So hätten "Berliner Kräfte unkontrolliert und unbeherrscht" reagiert.Außerdem wird von Streitereien zwischen nordrhein-westfälischen Polizeiführern und Berliner Kräften berichtet.Kniolas Brief liegen offenbar auch Beschwerden von Ahauser Bürgern zugrunde.Diese hat Kniolas Parteifreund, der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Andreas Dönnebrink, dokumentiert.Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) wies die Vorwürfe als "substanzlos" zurück. Mit dem Bekanntwerden von Kniolas Beschwerdebrief begann gestern das dritte Kapitel im Streit um die Berliner Polizisten und ihr Auftreten in Ahaus: Kurz nach dem Castor-Transport hatte Kniola im Fernsehen auf Berliner Polizisten geschimpft.Darauf reagierte Schönbohm mit der Behauptung, Kniolas Vorwürfe träfen nicht zu.Nun wurde der Brief bekannt, mit dem Kniola wiederum auf Schönbohms Dementi antwortete: eine Zusammenstellung von Aussagen anderer Polizisten.So will ein Münsteraner Polizist beobachtet haben, wie Berliner Kräfte eine Bahnschranke demolierten.Der Leiter der Kölner Bereitschaftspolizei hat daraufhin "lautstarke Auseinandersetzungen" zwischen dem verantwortlichen Beamten aus Nordrhein-Westfalen und den Berliner Beamten bemerkt.Sie werden in diesem Zusammenhang als "unbesonnen, konzeptlos, nicht professionell und aggressiv auch gegenüber Polizeibeamten beschrieben". Um einiges drastischer sind die Vorwürfe, die der Ahauser SPD-Politiker Andreas Dönnebrink formuliert hat: Die Gewaltaktionen, zu denen es bei dem Castor-Transport kam, seien von Berliner und sachsen-anhaltinischen Polizisten provoziert worden, schreibt Dönnebrink.Berliner Polizisten sollen "in brutalster Weise" Leute mit Schlagstöcken traktiert, an den Haaren gerissen und verprügelt haben.Sie hätten Demonstranten "die Finger in die Nase gesteckt und dann gezogen".Demonstranten seien ins Wasser gestoßen und zugleich von einer Hundestaffel eingekesselt worden."Dies alles geschah, obwohl von den Demonstranten (Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche, unter ihnen auch Rollstuhlfahrer) keine Gewalt ausging", schreibt der SPD-Politiker. Daß der SPD-Innenminister Kniola nun die Vorwürfe in aller Härte an den CDU-Kollegen Schönbohm weitergibt, hängt womöglich mit einer Bemerkung des Ahauser Sozialdemokraten Dönnebrink zusammen: Kniola trage die Verantwortung dafür, daß solche "Schlägerkommandos" wie die Berliner Polizeitruppen angefordert worden seien - er sei als Innenminister nicht mehr tragbar.Schönbohm hielt Kniola vor, es sei "unverschämt", Berliner Polizisten "an den neuralgischen Punkten" des Einsatzes zu postieren, um sie dann zu kritisieren.

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