Berlin : Berliner CDU: Eine für Steffel

Suzan Gülfirat

CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel wird am Sonntag auf dem Kreisparteitag in Reinickendorf Emine Demirbüken als Kandidatin für die Abgeordentenhauswahlen am 21. Oktober vorschlagen. Er ist der Kreisvorsitzende des Bezirks. Seine Beraterin für Ausländerintegration im Wahlkampfteam soll nach seinem Willen auf den aussichtsreichen sechsten Platz der Bezirksliste mit neun Plätzen. Ihre Wahl zur CDU-Kandidatin ist also so gut wie sicher.

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Die Ausländerbeauftragte von Tempelhof-Schöneberg, die eigentlich seit 1995 Mitglied der CDU in Neukölln ist, konnte sich in ihrem eigenen Bezirk nicht durchsetzen. "Ich habe mit Frau Demirbüken gesprochen. Dass sie nicht in Neukölln kandideren kann, hat nichts mit ihr persönlich zu tun", sagte der Sprecher der Ortsverbände, Sascha Steuer, dem Tagesspiegel. Die Liste der prominenten CDU-Mitglieder sei groß in dem Bezirk. Die Aussage hört sich an, als habe es in der Neuköllner CDU Diskussionen über ihre Kandidatur gegeben. Bestätigen möchten das weder Steuer noch Demirbüken selbst.

Auch sonst ist die Politikerin in den letzten Tagen sehr schweigsam geworden. Kritische Sätze zu ihrer Partei oder zu ihrem Chef kann ihr in diesen Tagen niemand entlocken. Loyal hat sie sich hinter ihren unter Beschuss geratenen Chef gestellt. Als sie mit seinen Jugendsprüchen konfrontiert wurde, konterte sie: "Ich habe ihn anders kennengelernt und stehe zu ihm."

Für die 39-jährige studierte Germanistin und Publizistin geht mit dem aussichtsreichen Listenplatz ein beruflicher Wunsch in Erfüllung. Bereits bei den Kommunalwahlen 1999 kandidierte sie für einen Sitz in der Bezirkserordnetenversammlung in Neukölln und verlor haushoch. Ihre tiefe Enttäuschung über dieses Ergebnis drückte sie seinerzeit in einem bitterbösen Gastbeitrag in der "Welt" aus. "Überall wird die Messlatte des konservativen Biedersinns angelegt", warf sie darin ihren Parteikollegen in den Bezirken vor. Aus dem Bauch heraus und völlig irrerational, seien Bürgervertreter gewählt worden, die kaum imstande seien, drei richtige Sätze zu formulieren. Auch sonst nahm sie kein Blatt vor den Mund. Vor zwei Jahren hatte sie sich mit dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg (TBB) zerstritten und trat im Juni 1999 von sämtlichen Posten zurück. Wenige Monate vor ihrem Austritt hatte sie den Zorn einiger Parteikollegen erregt, weil sie wegen der Doppelpass-Kampagne ihrer Partei mit dem Austritt drohte und öffentlich zum Boykott der Aktion aufrief.

Als sie 1995 in die CDU eintrat, löste sie auch bei den Türken Befremden aus. "Ich habe sogar Freunde verloren", sagte sie damals. Denn bei der Mehrheit der Türken war die Partei Helmut Kohls nicht besonders beliebt. Heute sagt sie, sie habe um mehr Sachlichkeit in der Diskussion um die Ausländerpolitik in der CDU kämpfen wollen, weil sie liberalere Tendenzen erkannt habe. Aber heute zweifelt in türkischen Kreisen kaum jemand an der Richtigkeit ihrer Mitgliedschaft in der CDU. Ganz im Gegenteil. Der TBB wertete ihre Ernennung zur Beraterin als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. "Ganz unabhängig von der Person Demirbüken", sagte der Geschäftsführer des Bundes und SPD-Mitglied, Kenan Kolat, nach Bekanntwerden. Jetzt schon wird sie in den türkischen Medien gefeiert, als säße sie bereits im Abgeordnetenhaus. Denn bisher gibt es weder im Bundestag noch in den Länderparlamenten einen türkischstämmigen CDU-Abgeordneten.

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