Berliner CDU : Pflüger und Schmitt hoffen auf Mandat

CDU streitet über Posten für entmachtete Politiker: Der ehemalige Landesvorsitzende Ingo Sschmitt will wieder in den Bundestag und Ex-Fraktionschef Friedbert Pflüger ins Europa-Parlament.

Werner van Bebber

Sie sind ihre Ämter los, doch sie haben politische Pläne. Ingo Schmitt, der ehemalige CDU-Landeschef, will wieder in den Bundestag. Friedbert Pflüger, der ehemalige CDU-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, würde gern Berliner Abgeordneter im Europa-Parlament. Was aus diesen Wünschen wird, das wird sich am 22. November zeigen, wenn die Berliner CDU ihre Listen für die Europa- und die Bundestagswahl 2009 aufstellt. Prognosen traut sich unter den führenden Politikern der Partei keiner zu.

Eines verbindet die beiden Kontrahenten, die im Machtkampf ihre politische Basis verloren haben: Schmitts und Pflügers Chancen auf die erwünschten Mandate werden gleich bewertet – mit „fifty, fifty“, wie alle sagen, die sich mit innerparteilicher Arithmetik auskennen.

Zwei große Grupen gibt es derzeit in der Berliner CDU. Die eine macht Pflüger für die Krise allein verantwortlich. Schmitt soll nach Meinung der einen Gruppe wieder in den Bundestag, Pflüger hingegen habe nichts mehr zu erwarten. In den Augen der anderen Gruppe ist Schmitt mindestens so sehr wie Pflüger für das schlechte Erscheinungsbild der Partei verantwortlich. Sie ist nicht bereit, Schmitt auf einen vorderen Listenplatz für den Bundestag zu wählen. Und sie unterstützt nicht unbedingt Pflüger gegen den Mann, der zunächst als Kandidat für das Europa-Parlament im Gespräch war – gegen Joachim Zeller, den Wirtschaftsstadtrat von Mitte.

So heikel ist die Lage, dass nicht viele dazu Zitierfähiges sagen wollen. Die Neuköllner Kreisvorsitzende Stefanie Vogelsang, die selbst in den Bundestag möchte, wirbt offen für Pflüger: Er habe viele Jahre lang als Bundestagsabgeordnenter Außen- und Europa-Politik gemacht. Was auch andere nicht bestreiten, sind Pflügers Rede- und Repräsentationstalent. Er passt in den Augen Vieler auf das europäische Parkett. Zeller, so halten andere dagegen, wisse viel über Ost-Europa, er beherrsche slawische Sprachen, er wisse aus der Kommunalpolitik, wie Europa bis nach Mitte hinein wirkt.

Frank Henkel, der designierte neue Landesvorsitzende, muss nun sehen, wie er mit den Interessen aller Beteiligten umgeht. Je mehr Ärger er in diesem Interessen- und Mächteausgleichsverfahren auf sich zieht, desto schlechter könnte sein Wahlergebnis auf dem kleinen Parteitag am 18. November ausfallen – gerade drei Tage vor der Listenaufstellung. Und es dürfte schwierig werden, die Gegensätze auszugleichen. Dass Monika Grütters auf Platz eins kandidiert, ist unbestritten. Platz zwei beansprucht Karl-Georg Wellmann, der im Südwesten 2005 das Direktmandat gewonnen hat. Doch Kenner der Partei schließen nicht aus, dass sich Schmitt schon um diesen Platz mit einer Kampfkandidatur bemühen wird, wenn er meint, kämpfen zu müssen. Der 22. November dürfte spannend werden. Werner van Bebber

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