BERLINER Chronik : 1. Dezember 1990

Die Reste der Innenstadtmauer fallen, gegen Honecker liegt ein Haftbefehl vor

Die innerstädtische Mauer ist weg. Bautrupps reißen am S-Bahnhof Schönholz die letzten Segmente ab. Nur an drei Stellen in Mitte bleiben Teile zur Erinnerung stehen – in der Bernauer Straße, am Invalidenfriedhof sowie in der Niederkirchnerstraße. Nach Angaben der Bauverwaltung sind 61 der 69 Straßenverbindungen wiederhergestellt, 300 000 Tonnen Mauer-Beton zu Straßenschotter verarbeitet. Rund um Berlin (West) soll der Mauerabriss bis Ende 1991 dauern.

Der vom Amtsgericht Tiergarten ausgestellte Haftbefehl gegen Erich Honecker kann nicht vollstreckt werden, da der frühere DDR-Staats- und Parteichef und seine Frau exterritorial auf dem Gelände des sowjetischen Militärhospitals in Beelitz leben und Moskau seiner Überstellung in die Untersuchungshaftanstalt Moabit noch nicht zugestimmt hat. Grund für den Haftbefehl ist ein Papier, aus dem hervorgeht, dass Honecker den Schießbefehl an der Mauer 1974 vor dem Nationalen Verteidigungsrat der DDR mit den Worten bekräftigt hat: „Nach wie vor muss bei Grenzdurchbruchversuchen von der Schusswaffe rücksichtslos Gebrauch gemacht werden, und es sind die Genossen, die die Schusswaffe erfolgreich angewandt haben, zu belobigen.“ Gru

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