BERLINER Chronik : 10. April 1988

Pferde für Königin Elizabeth, Bier für Günter Schabowski.

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Das zur Bewachung von Königin Elizabeth II. abgestellte Regiment Household Cavalry hat Pferde in der DDR gekauft. Im Gestüt in Neustadt an der Dosse findet sich am Morgen ein britischer Kavallerie-Offizier ein, der den Transport von neun Pferden über Marienborn/Helmstedt begleitet, was sofort in West-Berlin bekannt wird. Der Buckingham-Palast erklärt, die Queen habe 1987 bereits für sich selbst Oldenburger in der DDR kaufen lassen. Auf DDR-Staatsgestüten gezüchtete Pferde sind ein Exportschlager, da preiswert. Nach Senatsangaben sind auch in West-Berlin etwa 20 Pferde aus der DDR in Privatbesitz.

SED-Politbüromitglied Günter Schabowski, der das Getränkekombinat in Hohenschönhausen inspizierte, erfuhr laut „Berliner Zeitung“ vom Direktor und vom Parteisekretär, man habe in diesem Jahr bereits „130 000 Kasten Bier und Erfrischungsgetränke über den Plan produziert“. Probleme bereite „die mangelnde Qualität der Zuliefererzeugnisse, besonders von Flaschen und Kronenkorken“. Auch „die Zahl der fehlenden Plastekästen liegt zu hoch“.

Zum 75. Geburtstag des DDR-Schriftstellers Stefan Heym betont DDR-Kulturminister Hans-Joachim Hoffmann in seiner Glückwunschadresse dessen „den Idealen des Friedens, des Humanismus und des gesellschaftlichen Fortschritts verpflichtetes schriftstellerisches Werk“. Die Presse in der DDR würdigt Heym als „engagierten Autor“. Die politischen Auseinandersetzungen und sein Ausschluss aus dem Schriftstellerverband seit 1979 werden nicht erwähnt. Brigitte Grunert

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