Berlin : Berliner Chronik: 11. Januar 1977

Vor 25 Jahren berichteten wir:

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Ein Mann, der unumwunden zugibt, ein abgebrochener Student zu sein und Drogen gespritzt zu haben, ist am 14. Januar als einziger Berliner Bürger in Bonn zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten eingeladen, weil er sich um die Gemeinschaft besonders verdient gemacht hat. Der heute 34 Jahre alte Ingo Warnke, der auf diese Weise ausgezeichnet wird, ist der Gründer einer therapeutischen Wohngemeinschaft für Drogenabhängige, die sich zunächst "Release I" nannte und heute "Synanon" heißt wie ihr Vorbild in Kalifornien. Heute hat Synanon zwei Quartiere: ein Fabrikgebäude in der Oranienstraße 175 und den "Jägerhof" im Glienicker Volkspark, ehemals als Kinderheim genutzt. Zur Zeit wohnen 31 Leute (Erwachsene und Kinder) in Wannsee und Kreuzberg; aufnahmebereit ist die Gemeinschaft jederzeit. Wenn ein Hilfebedürftiger kommt, wird zusammengerückt. Die Gruppe wird von der Senatsverwaltung für Familie, Jugend und Sport unterstützt, im letzten Jahr mit 90 000 Mark. Zu jeder Mark aus öffentlichen Geldern verdient die Gemeinschaft zwei Mark aus eigener Kraft hinzu. Sie betreibt eine Druckerei und ein Fuhrunternehmen mit zwei Fahrzeugen für Umzüge.

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