Berlin : Berliner Chronik: 14. Dezember 1975

"Saison", wie sie in Kitzbühel oder Sankt Anton während der Feiertage für Skiläufer herrscht, bietet Berlin zwischen Weihnachten und Neujahr sicher nicht. Aber es gibt doch Reisebüros in der Schweiz, in Amerika und Japan, die regelmäßig in dieser Zeit Gruppenfahrten an die Spree arrangieren. Ein Touristik-Unternehmen in Luzern vor allem hat sich darauf spezialisiert, seinen Kunden zum Jahresende Berliner Kultur zu verkaufen. Über 100 Schweizer haben sich für eine Woche angemeldet, um Weihnachten in die Oper zu gehen, die den "Rosenkavalier" am ersten Feiertag, "Hänsel und Gretel" am zweiten Feiertag und "Die Fledermaus" am dritten Feiertag auf dem Programm hat; und um den "Brahms-Zyklus" zu hören, den Herbert von Karajan zwischen dem 30. Dezember und dem Neujahrstag in der bereits ausverkauften Philharmonie dirigiert. Die Philharmoniker und Karajan - und vielleicht auch Brahms - haben ihre Werbewirkung weder in den Vereinigten Staaten noch bei den Japanern verfehlt. Wenn auch jeweils mehrere relativ kleine Gruppen mit 30 bis 40 Mann dafür die Reise nach Berlin antreten wollen, so ist doch für das Verkehrsamt deutlich erkennbar, daß es nur eines Anreizes bedarf, um die Touristen in dieser für den Fremdenverkehr traditionell ruhigen Zeit nach Berlin zu locken.

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