Berlin : Berliner Chronik: 16. Juli 1961

I.B.

West-Berlin fährt in die Ferien: "Berliner Urlaubsverkehr in vollem Gange", titelt der Tagesspiegel. "In den frühen Morgenstunden ergaben sich am Kontrollpunkt größere Stauungen. Die östlichen Kontrollstellen wurden daraufhin verstärkt, so daß seit den frühen Vormittagsstunden der Reiseverkehr reibungslos abgewickelt werden kann." Stehen die Zeichen auf eine kleine Entspannung zwischen Ost- und West-Berlin? Nein, im Osten wird weiter getrommelt. Während der Tagesspiegel in einer kleinen Meldung einen neuen DDR-Flüchtlings-Rekord festhält - über 1000 kamen am Vortag ins überfüllte Notaufnahmelager Marienfelde - berichtet die Ost-"Berliner Zeitung" vom "Bonner Terror gegen Kinderferientransporte". "Haussuchungen, Verhaftungen und Zurückweisung von Kindertransporten an westdeutschen Grenzorten sind ... an der Tagesordnung. An verschiedenen Grenzorten wurden die Posten des Bundesgrenzschutzes verstärkt."

Das "Neue Deutschland" wirft dem Westen Kriegsplanungen vor. Auf einer "norddeutschen Arbeiterkonferenz" in Rostock habe ein Hamburger Arbeiter "die westdeutschen Ultras angeklagt", auf "den Knochen der Arbeiter die Atomrüstung zu forcieren". Das "Neue Deutschland" machte daraus die Schlagzeile: "Westdeutsche Arbeiter klagen Bonn an: Arbeitshetze unterm Atomknüppel."

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