Berlin : Berliner Chronik: 19. Februar 1977

Vor 25 Jahren berichteten wir:

Vor 25 Jahren berichteten wir:

Nach der sprunghaften Erhöhung der Zahl der Rauschgift-Toten in West-Berlin hat die Drogenberatungsstelle an der TU schwere Vorwürfe gegen den Senat erhoben. Er habe es versäumt, das Drogenproblem ernsthaft anzugehen. Alle Initiativen zur Ausweitung des Therapie-Angebotes seien bisher nicht von staatlicher, sondern von privater Seite ausgegangen. Aber selbst diese Einrichtungen würden mangelhaft unterstützt. So habe der Caritasverband aus finanziellen Gründen sein Beratungsangebot einschränken müssen, und die Drogenberatungsstelle an der TU werde gar nicht mehr finanziert. Sie arbeitet mit 17 unbezahlten Mitarbeitern, die die Bürokosten aus eigener Tasche bezahlen und nebenher ihren Lebensunterhalt verdienen. Von diesem Verein wird folgende Darstellung der Berliner Drogenszene gegeben: Das Einstiegsalter sinkt, bereits Dreizehn- bis Fünfzehnjährige greifen zum Heroin. Der Handel mit harten Drogen verlagert sich in die Randbezirke, wo vor allem arbeitslose Jugendliche leicht zu gewinnende neue Kunden sind. Der Anteil der Frauen vergrößert sich, und die Folge bei 90 Prozent der Fixerinnen ist die Prostitituon. Die Zahl der Drogenabhängigen wird auf 4 000 bis 5 000 geschätzt.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar