BERLINER Chronik : 19. Mai 1987

Fluchtversuch am Checkpoint Charlie und neue Bevölkerungsstatistik.

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Die Empörung im Westteil der Stadt ist immer noch groß über den Zwischenfall, der sich wenige Tage zuvor am Checkpoint Charlie abspielte: Vor den Augen entsetzter Zeugen war die Flucht eines jungen Mannes aus dem Ostteil gescheitert. Alarmsirenen schrillten, als der Fliehende gegen 14 Uhr 45 im Zickzack durch den Übergang Richtung Westen rennt, Schüsse waren nicht zu hören. 15 Meter vor der weißen Linie der Sektorengrenze strauchelte er und fiel zu Boden. Fünf DDR-Grenzposten ergriffen ihn und schleiften ihn fort.

„Lasst ihn frei!“ und „Mörder!“ tönte es aus der erregten Menge. US-Wachen und West-Polizei durften ihm ja nicht helfen. Die alliierten Stadtkommandanten verurteilten „den offenen Eingriff in das Recht der Berliner auf freien Zugang zu allen vier Sektoren“.

Die Einwohnerzahl Ost-Berlins soll nach der jüngsten Bevölkerungsprognose der DDR in den nächsten 25 Jahren um 29 Prozent steigen. Bis 2011 würde die Einwohnerzahl der „Hauptstadt" damit von jetzt 1,25 Millionen auf 1,6 Millionen im Jahr 2011 wachsen, und zwar zu 79 Prozent durch Zuzüge. West-Berlin hat rund zwei Millionen Einwohner, Tendenz stagnierend. Brigitte Grunert

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