BERLINER Chronik : 19. Oktober 1990

Bohley fordert: Honecker ins Altenheim. Ex-AL-Politiker kandidieren für die PDS

Die Ost-Berliner Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, Bundestagskandidatin für Bündnis 90, ist gegen die strafrechtliche Verfolgung des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker: „Ich fände es absurd, wenn Honecker vor Gericht gestellt würde.“ Er gehöre ins Altenheim, sagte Bohley. Die Bonner Regierung habe das SED-Regime jahrzehntelang durch „Staatsbesuche gestützt“ und daher nicht das moralische Recht, Honecker zu verurteilen. Die bundesdeutschen Geheimdienste hätten über die Lage in der DDR genau Bescheid gewusst und trotzdem die SED-Regierung „hofiert“.

Prominente frühere Mitglieder der West-Berliner Alternativen Liste (AL) stehen auf der PDS-Liste für die Abgeordnetenhauswahl am 2. Dezember. Auf dem Nominierungskongress der PDS gingen die Plätze 5 und 6 an Dirk Schneider und Harald Wolf. Schneider ist Mitglied der „Linke Liste/PDS“ im Westteil der Stadt. Wolf, der dem AL-Vorstand angehörte, ist parteilos und in einer „Initiative für eine linke Opposition“ tätig.

PDS-Spitzenkandidat ist der Ost-Berliner Peter-Rudolf Zotl, Fraktionschef in der Stadtverordnetenversammlung. Zotl sitzt noch heute im Abgeordnetenhaus, Schneider wurde 1991 als Stasi-Spitzel enttarnt, Wolf stieg später in der PDS auf und ist seit 2002 Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen. Gru

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben