Berlin : Berliner Chronik: 2. August 1961

I.B.

Von Tag zu Tag zum Mauerbau

Die propagandistische Auseinandersetzung um Flüchtlinge und Grenzgänger in den Berliner Zeitungen wird heftiger. Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" (ND) und die Ost-"Berliner Zeitung" berichten weiter über den Prozess gegen "fünf Menschenhändler" vor dem Obersten Gericht der DDR, die angeblich DDR-Bürger zum Verlassen der Republik verleitet haben sollen. Das "ND" zitiert unter der Überschrift "Keine Gnade für die Menschenhändler" aus Leserbriefen: "Jeder anständige Mensch wird sich von diesen bezahlten Handlangern der kalten Krieger distanzieren", schreibt ein Dessauer Leser. Und ein Abteilungsleiter aus einem Volkseigenen Betrieb meint: "Wir distanzieren uns von dem Angeklagten (...) und erwarten vom Obersten Gericht der DDR, daß er ein der Schwere seines Verbrechens entsprechendes Urteil erhält."

Die "Berliner Morgenpost" meldet auf der Titelseite: "Polizeiaktionen der SED gegen Grenzgänger". "Die Schikanen Pankows (so die Bezeichnung der West-Berliner Presse für die damals nicht anerkannte Hauptstadt der DDR - I.B.) gegen die in West-Berlin arbeitenden Grenzgänger nähern sich offenbar ihrem Höhepunkt." Seit einigen Tagen würden "in Hausfluren und Geschäften Plakate angebracht, auf denen Grenzgänger namentlich genannt und geschmäht werden." Dazu veröffentlichte die "Morgenpost" ein großes Foto eines Volkspolizisten von hinten mit der Bildunterschrift: "Das sind sie, die Menschenjäger."

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