Berlin : Berliner Chronik: 21. Oktober 1975

Seit nunmehr 25 Jahren tönt sie fast täglich mittags vom Turm: die Freiheitsglocke des Rathauses Schöneberg. Und zumindest für amerkanische Touristen gehört es zum guten Ton, die 264 Treppenstufen zwischen Freitreppe und Glockenstuhl im 70 Meter hohen Rathausturm am John-F.-KennedyPlatz hinaufzuklettern. Die 10 000 Kilogramm schwere bronzene Glocke kam am 21. Oktober 1950 nach Berlin, und während einer Feierstunde drei Tage später läutete sie vor 400 000 Berlinern erstmals. Seitdem hat sie nur während notwendiger Reparaturen geschwiegen, war jedoch immer sonntags um 12 Uhr auf beiden Programmen des RIAS zu hören. Der Sender Freies Berlin (SFB) sendet ihr Signal täglich zum Programmbeginn um 4 Uhr 48 (sonntags eine Stunde später) nach der Eröffnungsansage. Zu ihrem Jubiläum, so viel steht fest, wird es keine Feier geben, doch der Regierende Bürgermeister wird sie am 25. Oktober in seiner Rede "Wo uns der Schuh drückt" erwähnen. 16 Millionen Amerikaner brachten die Mittel auf und unterzeichneten die Erklärung: Ich glaube an die Unantastbarkeit und an die Würde des einzelnen Menschen. Ich glaube, dass allen Menschen das gleiche Recht auf Freiheit von Gott gegeben wurde. Ich verspreche, der Aggression und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo immer sie auf der Erde auftreten mögen. Auf dass diese Welt, im Namen Gottes, die Wiedergeburt der Freiheit erleben möge.

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