Berlin : Berliner Chronik: 22. November 1976

"Der erste, der hier reinkommt, den schlag ich tot!" Mit diesen Worten und einem abgebrochenen Metalltischbein in beiden Händen empfing ein 24jähriger Gefangener in einer Zelle der Haftanstalt Moabit am 5. April gegen 19 Uhr 30 vier Beamte, die eine Schrankbarrikade vor der Tür wegräumen wollten. Die Beamten, die ein Übergreifen der Unruhe auf die übrigen Hauszellen befürchteten, drangen in den Raum ein. Der Gefangene schlug zu. Ein Beamter wurde am Kopf getroffen; ein anderer, der versucht hatte, schützend seine Hand über ihn zu halten, wurde am Gelenk verletzt. Gestern stand der Häftling wegen versuchten Totschlags vor der 51. Großen Strafkammer. Angeklagter und Beamte gaben unterschiedliche Darstellungen über den Vorfall ab. Die Beamten sagten, etwa eine Viertelstunde zuvor hätte der Mann zur Nachbarzelle hinübergebrüllt und mit einem Pendel am Fenster Kontakt aufgenommen. Daraufhin habe man ihm das Pendel und einen Stuhl abgenommen. Der Angeklagte bestritt, "gependelt" zu haben. Er habe sich ruhig verhalten. Zwei Beamte hätten einen angetrunkenen Eindruck gemacht. Den Schrank habe er aus Angst vor ihnen vor die Tür gestellt.

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