Berlin : Berliner Chronik: 23. April 1976

Vor 25 Jahren berichteten wir:

Vor 25 Jahren berichteten wir:

Ein offenbar kommerzielles Fluchthilfe-Unternehmen im Mai 1973 fand jetzt für einen der Hauptbeteiligten seinen Abschluß mit einer Verurteilung wegen Ausweismißbrauchs. Bei der Fluchthilfe hatten fünf Personen die DDR über die CSSR verlassen können. Der Angeklagte hatte zwei Frauen und zwei Männer zu einer Fahrt nach Prag ohne eigene Kosten überreden können. In seinem Wagen fuhr die Gruppe mit einem zweijährigen Kind in die CSSR. Unterwegs erklärte er den eigentlichen Reisegrund: Mit den Ausweisen und Visa der Besucher sollten fluchtwillige DDR-Bürger über die Grenze nach Westdeutschland gebracht werden. Nachdem alle Beteiligten sich mit dem Plan, der nach Darstellung des Angeklagten risikolos sein sollte, einverstanden erklärt hatten (gegen 500 Mark pro Person) lief das Unternehmen zunächst ganz nach Plan. Nur der Schluß mißlang. Auf der Polizei wurden die Ausweisinhaber festgenommen. In seinem Plädoyer, dem das Gericht weitgehend folgte, hatte der Staatsanwalt gemeint, daß Fluchthilfe nach westlichen Bestimmungen an sich nicht strafbar sei, daß aber solche Handlungen, bei denen Strafgesetze verletzt würden, um "auf billige Weise Geld aus der Not von DDR-Bürgern zu machen", verfolgt werden müßten.

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