BERLINER Chronik : 23. März 1987

Vor 25 Jahren trat Willy Brandt als SPD-Bundesvorsitzender zurück.

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Willy Brandt tritt nach 23 Jahren als Bundesvorsitzender der SPD zurück. Der Anlass ist tagelange heftige innerparteiliche Kritik an seiner Entscheidung, die parteilose Margarita Mathiopoulos zur Pressesprecherin zu berufen; sie zog daraufhin ihre Zusage zurück.

Brandt begründet seinen überraschenden Schritt mit den Worten, er wolle die Sozialdemokraten von weiteren „verwirrenden und belastenden Diskussionen … entlasten“ und die „unzumutbar gewordene“ Debatte über seine Nachfolge abkürzen (die übrigens dann Hans-Jochen Vogel antreten wird).

Wenige Tage zuvor hatte Willy Brandt noch erklärt, er sei 1986 für weitere zwei Jahre gewählt worden und wolle bis dahin auch Parteivorsitzender bleiben. Führende SPD-Politiker zeigen sich nach seiner Erklärung schockiert über den Rücktritt. Sie würdigen das Lebenswerk des 73-jährigen früheren Bundeskanzlers und vormaligen Berliner Regierenden Bürgermeisters, der mit der Entspannungspolitik Geschichte geschrieben hat. Zum Rücktritt als Kanzler hatte ihn im Jahr 1974 die Enttarnung des Kanzleramtsreferenten Günter Guillaume als DDR-Spion veranlasst. Brigitte Grunert

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