BERLINER Chronik : 23. November 1990 Hausbesetzer dringen ins Rathaus ein –

und bestehlen den Oberbürgermeister

Etwa 60 Personen aus der Hausbesetzerszene dringen in das Rote Rathaus ein. Sie fordern die „sofortige Rückgabe“ der in der vergangenen Woche polizeilich geräumten Häuser in Ost-Berlin, eine „Nichträumungsgarantie“, ein Gespräch mit Oberbürgermeister Tino Schwierzina, der aber nicht da ist, und weitere Verhandlungen mit dem „Vertragsgremium“ der Besetzer. Vom Balkon in der ersten Etage entrollen sie Transparente mit Sprüchen wie „Mainz bleibt meins“ und „Mainzer lebt!“ in Anspielung auf die Räumungen und Krawalle in der Mainzer Straße in Friedrichshain. Die Polizei umstellt das Rathaus, greift aber nicht ein, Magistratsbedienstete verriegeln die Türen. Am Abend ziehen die Besetzer ab, da ihnen ein Termin mit Schwierzina für die nächsten Tage zugesagt worden ist.

Der Oberbürgermeister sagt den Termin jedoch ab, weil er feststellen muss, dass die Eindringlinge seinen Schreibtisch und seinen Aktenkoffer im Amtszimmer durchwühlt und ihn bestohlen haben. Er vermisst 500 DM aus seiner Geldbörse, seine Sonnenbrille, seinen Füllfederhalter und Akten für den Bundesrat, auch ein Schreiben von Bewohnern der Mainzer Straße, so Schwierzina, „die mich in meiner konsequenten Haltung gegenüber Kriminellen unter den Besetzern unterstützt haben“. Gru

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