Berlin : Berliner Chronik: 24. Juli 1961

I.B.

Von Tag zu Tag zum Mauerbau

Wieder ein Montag, an dem die großen West-Berliner Zeitungen nicht erscheinen. Das Ost-Berliner "Neue Deutschland" widmet einem aus Westdeutschland in die DDR übergesiedelten Ehepaar eine große Geschichte. Unter dem Titel "Die DDR - unsere wirkliche Heimat" begründen die beiden, denen der "Bonner Staat keine reale Existenzgrundlage geben konnte", ihren Entschluss: "Hier hat man seinen festen Arbeitsplatz, seine Wohnung, gute soziale Fürsorge."

Eine Meldung aus dem "Neuen Deutschland" über geläuterte Grenzgänger: "Allein 15 Bürger aus Klosterfelde im Kreis Bernau kehrten in diesen Tagen der Frontstadt Westberlin den Rücken. Sie beschlossen, nicht mehr wie bisher in Westberliner Betrieben zu arbeiten, sondern eine Tätigkeit in der DDR aufzunehmen. Übereinstimmend erklärten die ehemaligen Grenzgänger, in der gegenwärtigen Situation sei ihnen klargeworden, daß man seine Arbeitskraft nicht dem Spionage- und Sabotagezentrum von Adenauer, Strauß und Brandt zur Verfügung stellen und dem ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaat dadurch Schaden zufügen dürfe."

In derselben Ausgabe vermeldet das "ND" einen von der Volkspolizei aufgeklärten Mord in Potsdam. "Der Mörder hatte mehrere Jahre in Westdeutschland gelebt. Er war bekannt als eifriger Leser von Gangster- und Schundliteratur."

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