Berlin : Berliner Chronik: 26. Juli 1961

I.B.

Von Tag zu Tag zum Mauerbau:

Die Flüchtlinge aus der DDR bringen die West-Berliner Notaufnahmelager an den Rand ihrer Kapazitäten. "Notaufnahme wird beschleunigt", meldet der Tagesspiegel und zitiert den zuständigen Bundesvertriebenen-Minister von Merkatz: "Berlin dürfe nur so viele Flüchtlinge abfertigen, wie es bewältigen könne, also etwa 350 Personen täglich." Seit Wochen strömen jeden Tag um die tausend nach West-Berlin. "Die Zeit bis zum Abflug aus West-Berlin soll möglichst auf fünf bis sechs Tage verkürzt werden." Bisher dauert es bis zum Ausfliegen nach Westdeutschland im Schnitt acht Tage. Die Ost-"Berliner Zeitung" berichtet dagegen, dass Hunderte Opfer der Menschenfänger ( ...) in den Elendslagern der Bundesrepublik und Westberlins ein menschenunwürdiges Dasein" führten. Das Interesse an ihnen erlösche sehr schnell.

Im Osten herrscht Empörung über die angebliche Falschmeldung in West-Berliner Medien, eine Frau sei verstorben, weil ein DDR-Krankenhaus sie nicht habe aufnehmen wollen. Die "Berliner Zeitung" zitiert den Mann des Opfers, Erich Markert aus Glienicke: "Ich war gar nicht mit meiner Frau im Krankenhaus Hohen Neuendorf. (...) Von diesen Westberliner Schmierfinken distanziere ich mich ganz entschieden."

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