Berlin : Berliner Chronik: 29. April 1976

Vor 25 Jahren berichteten wir:

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Welchen Weg denn ein Senatsvertreter gehen würde, wenn ihm beispielsweise verdorbenes Fleisch im Werte von etwa 50 DM verkauft würde, wollte eine Vertreterin des Verbraucherausschusses von Dr. Helmut Scheunemann aus der Senatsverwaltung für Gesundheit und Umweltschutz wissen. Es ging dabei um den Tagesordnungspunkt der "Behandlung von Beanstandungen". Die Antwort des Fachmannes: Er würde zwei Wege gehen. Zunächst müßte das zuständige bezirkliche Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt benachrichtigt werden, damit die Behörde tätig werden könne. Dr. Scheunemann ginge als Verbraucher ferner zu dem betreffenden Kaufmann, um ihm mitzuteilen, daß er die verdorbene Ware zur Untersuchung gegeben habe. Aber gerade hier liege das Problem bei der Behandlung von Beanstandungen - da waren sich der Vertreter des Gesundheitssenators sowie die Mitglieder des Verbraucherausschusses einig: Der Verbraucher scheue zurück, wenn er tätig werden solle. Möglicherweise befürchte er, daß er das nächste Mal bei seinem Kaufmann nicht mehr gut bedient werde. Außerdem erhalte der Verbraucher keinen Ersatz für seine Ware, wenn er nur den offiziellen Weg gehe, da die Behörde ihm das Fleisch oder den Fisch nicht abkaufen könne; dagegen bekomme er im allgemeinen auf dem Kulanzwege bei dem Lebensmittelhändler Ersatz. Auch werde das Verhältnis zwischen beiden Parteien in diesem Falle nicht gestört sein.

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