Berlin : Berliner Chronik: 29. Oktober 1975

Im ausländerstärksten Bezirk Kreuzberg - von 152 000 Einwohnern sind 40 230 Ausländer, vornehmlich Türken - hat der bezirkliche Beirat für Ausländerfragen vom amtlichen Direktor des Urbankrankenhauses einen Bericht über die Krankheitsbilder bei Ausländern erhalten. Wie er dazu auf Anfrage sagte, gehören zu den Anfälligkeiten im Krankheitsbild besonders der Türken Störungen im Magen-Darm-Bereich, bedingt etwa durch starkes Heimweh, aber auch ernährungsbedingte Wurmerkrankungen. Obgleich der Geburtenanteil der Ausländer in Kreuzberg den der Deutschen weit übersteigt - 65 Prozent der Geburten im Urbankrankenhaus entfallen auf Ausländer -, so ist nach Beobachtungen des gynäkologischen Chefarztes Dr. Griebner auch bei den ausländischen Frauen eine deutliche Tendenz zu Schwangerschaftsunterbrechungen und zur Sterilisation (nur bei Frauen übrigens) festzustellen. Komplikationen bei Entbindungen sind nach Auskunft Griebners und des Amtsarztes auf die mangelhafte Wahrnehmung der Schwangerenvorsorge durch Ausländerinnen zurückzuführen. Die Ursache hierfür liege in Unkenntnis und religiösen Hemmnissen.

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