Berlin : Berliner Chronik: 30. November 1976

Vor 25 Jahren berichteten wir:

Vor 25 Jahren berichteten wir:

Weil Rechtsanwalt Dr. Z. als Verteidiger zu einer Berufungsverhandlung vor der 4. Großen Strafkammer ohne Krawatte erschien, brach das Gericht den Prozeß nach kurzer Dauer ab. Durch Beschluß wurde der Anwalt als Verteidiger zurückgewiesen, da eine ordnungsgemäße Vertretung des Angeklagten nicht gegeben sei. Ablehnungsanträge des Anwalts und des Angeklagten gegen den Vorsitzenden C., der die Kleidung des Anwalts gerügt hatte, wegen Besorgnis der Befangenheit, blieben erfolglos. Im Gerichtsbeschluß hieß es, bei vernünftiger Würdigung brauche der Angeklagte keine Befangenheit des Vorsitzenden zu befürchten; die Krawattenfrage berühre nicht die Sache selbst, sondern sei nur ein formaler Aspekt. Von einer Behinderung der Verteidigung könne nicht gesprochen werden, da der Vertreter der Staatsanwaltschaft angeboten habe, eine Krawatte zu verleihen. Der Anwalt hatte dieses Angebot abgelehnt. Vom Vorsitzenden der 5. Großen Strafkammer war er neulich gerügt worden, weil er statt eines weißen ein blau getöntes Hemd trug.

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