BERLINER Chronik : 5. Februar 1988

Ein Büro der Kirche für Ausreisewillige muss nach nur wenigen Tagen schließen.

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Die Ost-Berliner evangelische Kirche richtet ein Kontaktbüro ein. Die Mitarbeiter sollen Ausreisewillige seelsorgerisch betreuen, die wegen ihrer Anträge und langer Wartezeiten auf den Bescheid in eine Notlage geraten sind. Das Büro in der Nöldnerstraße in Lichtenberg verstehe sich „nicht als Agentur für die Ausbürgerung“, betont Generalsuperintendent Günter Krusche. Die Reaktion der DDR-Bürger aber spricht eine eigene Sprache: Im Nu finden sich Hunderte in dem Büro ein, die Telefonleitungen sind überlastet, die Polizei umstellt das Haus. Die Kirche schließt das Büro daher bereits nach wenigen Tagen wieder und verweist Ratsuchende an die örtlichen Pfarrer.

Im Hinblick auf die Ausreiseanträge und Abschiebungen von DDR-Bürgern meldet sich auch der in Ost-Berlin residierende katholische Bischof Joachim Kardinal Meisner zu Wort. Er appelliert an alle Priester und Diakone, niemanden mit seinen Nöten allein zu lassen. Es mache ihn besorgt, „wenn Menschen ihre Heimat verlassen wollen, weil sie meinen, hier nicht mehr leben zu können“ oder „wenn Menschen ihrer Heimat verwiesen werden, weil man sie hier nicht mehr haben möchte“. Brigitte Grunert

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