Berlin : Berliner Chronik: 6. August 1961

I.B.

Von Tag zu Tag zum Mauerbau:

Eine kleine Meldung verbreitet Unruhe. Die "Berliner Morgenpost" berichtet, dass sich "Zonen-Diktator Walter Ulbricht" seit einigen Tagen in Moskau aufhalte. "In diplomatischen Kreisen des Westens wird vermutet, daß Ulbricht die sowjetische Zustimmung zur Schließung der Sektorengrenzen in Berlin haben will, um die Fluchtbewegung zu unterbinden."

Immer mehr DDR-Bürger flüchten aus ihrer Heimat. "Über 10 000 Flüchtlinge in einer Woche", meldet der Tagesspiegel. Zugleich werden die Schikanen der DDR-Behörden gegen die Grenzgänger ausgedehnt. Nun sind auch die Grenzgänger aus dem Berliner Umland von der Registrierungspflicht und dem Zwang, Gebühren in Westgeld zu entrichten, betroffen. "Damit unterliegen nun alle 52 000 Grenzgänger den neuen Pankower Schikanemaßnahmen."

Im Osten Berlins jubeln die staatlichen Zeitungen über das Vorgehen gegen die Grenzgänger - und die DDR-Bürger jubeln angeblich mit. Die Ost-"Berliner Zeitung" veröffentlicht die Meinungsäußerungen ihrer Leser: "Der Zorn und die Empörung der kollegen, die treu und klassenbewußt bei uns ihrer Arbeit nachgehen, hat den Magistrat dazu veranlaßt, endlich diese Maßnahmen zu ergreifen." Das Blatt konstatiert, nun endlich hätten viele Grenzgänger ein Einsehen: In den Ost-Berliner Betrieben häuften sich die telefonischen Anfragen nach Arbeitsplätzen im Osten. "Es werden alle Vorbereitungen getroffen, um die ehemaligen Grenzgänger schnell und unbürokratisch an ihre neuen Arbeitsplätze zu vermitteln."

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