Berlin : Berliner Chronik: 9. November 1975

Die westalliierten Schutzmächte in Berlin haben in der Nacht zum Sonnabend bei der Sowjetunion gegen die Teilnahme von Angehörigen der DDR-Armee an der Kranzniederlegung zum Jahrestag der Oktober-Revolution in West-Berlin protestiert. Wie aus informierten Kreisen verlautete, wurden die Alliierten sofort vorstellig, nachdem Ermittlungen zweifelsfrei ergaben, daß zwei Fahrer in DDR-Armee-Uniform in DDR-Militärfahrzeugen zu dem sowjetischen Konvoi gehörten, der am Freitag Vormittag über den Sektorenübergang Invalidenstraße zum Sowjetdenkmal im Tiergarten kam. Die Anwesenheit der DDR-Soldaten in West-Berlin bedeute einen "klaren Bruch des entmilitarisierten Status" von Berlin. Die Anwesenheit von Angehörigen der DDR-Armee wurde erst bei der Zeremonie am Denkmal bemerkt; es gelang den britischen Militärbehörden nicht, sie vor dem Verlassen des britischen Sektors zu stellen. Der Regierende Bürgermeister Schütz erklärte dazu, Soldaten der DDR-Armee hätten in Berlin nichts zu suchen. "Wir werden nicht hinnehmen, daß die östliche Seite immer wieder versucht, den Viermächte-Status für ganz Berlin zu unterlaufen."

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