BERLINER Chronik SERIE : 24. August 1961 Jahre Mauerbau

Die SPD löst Büros in Ost-Berlin auf, die West-Polizei schließt Büros der SED

West-Berliner Augenzeugen beobachten, wie drei Transportpolizisten von einer Bahnbrücke aus einen Flüchtling erschießen, der durch den Humboldthafen schwimmt. Nach mehreren Schüssen feuern sie eine Salve aus einer Maschinenpistole ab. Der Verletzte taucht noch mehrmals auf und hebt die Hände. Gegen 19 Uhr bergen Froschmänner der NVA die Leiche. Dieses zweite Todesopfer der Mauer ist der 24-jährige Günter Litfin.

Die Sowjetregierung beschuldigt die Westmächte einer „missbräuchlichen Benutzung der nur für die Versorgung ihrer Garnisonen eingeräumten Luftkorridore“. Washington antwortet mit einer „ernsten Warnung“. Jede Einmischung der sowjetischen oder der Sowjetzonen-Regierung in den freien Zugang nach West-Berlin sei „ein aggressiver Akt“, für die Folgen trage Moskau die Verantwortung. Moskau behauptet, die Luftkorridore nach West-Berlin würden zur „Einschleusung“ von „Provokateuren, Revanchisten, Extremisten, Wühlagenten, Spionen und Diversanten“ genutzt. Hierzu werden Spitzenpolitiker der Bundesrepublik gezählt.

Die West-Berliner Polizei kontrolliert an den Grenzübergängen die Ausweise aller aus dem Ostsektor Kommenden, um „unerwünschten Personen“ den Zutritt verweigern zu können. Auf einer Liste namentlich genannter Personen stehen auch Vertreter des SED-Regimes.

Die Polizei schließt alle 13 Büros der West-Berliner SED. Die Ost-Presse spricht von einem „neuen Höhepunkt der Terrormaßnahmen des Frontstadtsenats gegen die friedliebenden Kräfte in Westberlin“. Der Senat beruft sich auf den Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Nach einer Viermächte-Abrede von 1946 ist die Zulassung der SED in den Westsektoren an die Zulassung der SPD im Ostsektor geknüpft. Soeben hat die SPD infolge des Mauerbaus ihre Ost-Berliner Kreisbüros aufgelöst. gru

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