BERLINER Chronik SERIE : 6. Oktober 1961 Jahre Mauerbau

Walter Ulbricht spricht von „Bonner Militaristen“, Willy Brandt wird geehrt

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Am Vorabend des 12. Jahrestages der DDR-Gründung fordert der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht beim Festakt in der Staatsoper Vereinbarungen mit den Westmächten „über die friedliche Lösung der Westberlinfrage“ schon vor Abschluss eines „deutschen Friedensvertrages“. Die DDR werde ihre Souveränität „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ wahren und „auf den Verbindungswegen nach Westberlin die Kontrolle durchführen“. Er spricht von einer „allmählichen Umwandlung Westberlins in eine freie neutrale Stadt“. Über den Mauerbau behauptet er: „Am 13. August wurde ein von langer Hand vorbereiteter Aggressionsplan der Bonner Militaristen zerschlagen. Sie hatten sich vorgenommen, nach dem Muster Hitlers mit klingendem Spiel durch das Brandenburger Tor in die DDR einzumarschieren.“

In New York wird der Regierende Bürgermeister Willy Brandt mit der Freiheitsmedaille der Organisation „Freedom House“ geehrt. Er betont, es gehe nicht nur um Berlins Freiheit, es gehe um die Freiheit Europas und die Weltgeltung der USA. Man könne „kein Regime anerkennen, das auf Bajonetten ruht und von den Menschen verabscheut“ werde. „Wir sind bereit, Opfer zu bringen, aber wir sind nicht bereit, 16 Millionen Menschen zu opfern. Das ist ein Grundsatz der Moral.“ Präsident Kennedy ruft Brandt an und beglückwünscht ihn zu Ehrung und Rede. Brigitte Grunert

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