Berliner Chronik : Serie

20. Februar 1990: Auf dem Grenzstreifen demonstrieren Rollheimer gegen das westliche Kapital

JAHRE

EINHEIT

Auf dem Grenzstreifen am Übergang Heinrich-Heine-Straße haben 40 junge Ost- und West-Berliner eine Wagenburg zusammengeschoben. Im Dunkel der Nacht stellten sie dort zur Überraschung der DDR-Grenzsoldaten vier schrottreife Bauwagen und ein Wohnmobil ab. In einem Flugblatt heißt es, sie wollten „ein Zeichen setzen gegen die Notschlachtung der DDR durch das westliche Kapital“. Man einigt sich gütlich, das Gelände zu räumen, andernfalls sähen sich die Grenztruppen „zum Einschreiten gezwungen“.

Auf die Forderung des Runden Tisches, unverzüglich die Subventionierung der Lebensmittel zu beenden und zum Ausgleich jedem DDR-Bürger 150 Mark zu zahlen, wird in Ost-Berlin mit Panikkäufen reagiert. Gerüchte über eine geplante Verdreifachung der Preise gehen um. Schon tags zuvor hatte Ministerpräsident Modrow die Forderung des Runden Tisches zurückgewiesen, „Abkäufe von Lebensmitteln in beträchtlichem Umfang“ in der DDR konstatiert und an die Bürger appelliert, von Hamsterkäufen abzusehen. Die Appelle häufen sich in den folgenden Tagen, die Hamsterkäufe gehen weiter, Waren des täglichen Bedarfs werden knapp. Die Bundesregierung appelliert an die Bürger, billige Einkäufe im Osten zu unterlassen. Gru

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