Berliner Clubs und ihre Zukunft : Berliner bitte draußen bleiben!

Studenten und Easyjetsetter will Marcus Trojan nicht in seinem Club haben. Der „Weekend“-Chef glaubt, dass die Zukunft bei Ü-40-Touristen liegt. Ein Szene-Report.

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Wende im Weekend. Chef Marcus Trojan baut den Club mit der schönsten Dachterrasse der Stadt um. Im Sommer soll er neu eröffnen.
Wende im Weekend. Chef Marcus Trojan baut den Club mit der schönsten Dachterrasse der Stadt um. Im Sommer soll er neu eröffnen.Foto: imago

Die Clubszene in Berlin ist nicht tot. Sie ist nur etwas verwirrt, im Umzugs- und Renovierungsstress. Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Hauptstadt packt seine Sachen und streicht die Wände neu.

Schon eine Ewigkeit in diesem harten Geschäft mit Cocktails und Musik ist Marcus Trojan, er betreibt am Alexanderplatz den Club mit der wohl schönsten Dachterrasse der Stadt: das Weekend. Hoch oben über Mitte wird nun alles modernisiert, der Club vorerst geschlossen. Im Juni soll wieder geöffnet werden. All das, weil Marcus Trojan eine ganz spezielle Vorstellung von der Zielgruppe hat, die sein Club anziehen soll. „Wir sind ein Fünf-Sterne- Club für Berlinbesucher.“ Und eben auch davon, wer lieber unten am Boden bleiben soll: Berliner Studenten und Easyjetsetter. „Die können ins Berghain oder in eine der Bretterbuden an der Warschauer Straße“, sagt Trojan. Wer nicht in der Lage sei, 20 Euro für ein Taxi zu bezahlen, sei für ihn auch nicht attraktiv als Kunde.

Marcus Trojan glaubt eine Marktlücke in der Berliner Partyszene aufgetan zu haben: die Ü-40- Touristen. „Die sitzen zurzeit einfach länger im Restaurant, bevor sie wieder in ihrem Hotel einchecken“, sagt er. Sie hätten kein adäquates Angebot zum Feiern. Denn im Weekend zähle Niveau, Aussehen und Zahlungskraft.

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Die schwule Party GMF nimmt den Umbau am Alex zum Anlass, ganz zu gehen. Sie zieht vom Weekend ins Café Moskau an der Karl-Marx-Allee und möchte dort ab Mai heterofreundliches Programm für Homosexuelle machen. Den neuen Standort hat der Organisator Bob Young schon im Dezember getestet. Die neue Heimat funktioniere sehr gut, sagt er. Kaum einer kennt die Szene so gut wie er: Bob Young hat bereits kurz nach der Wende seinen ersten Club in Berlin eröffnet. Er sieht die Zukunft in der Kombination aus Programm und Location. Seine Party soll weiterhin den Standort wechseln, sagt Young, nichts sei eben für die Ewigkeit gedacht. Tatsächlich ginge im Bezirk Mitte aber nicht mehr viel. Und in Prenzlauer Berg sei es wegen der hohen Mieten und einzelner „problematischer Anwohner“ auch nicht so leicht.

Aber Berlin ist ja glücklicherweise groß und hat noch genügend Platz, vor allem an den Rändern. Deswegen zieht das White Trash Ende April von der Schönhauser Allee weg in Richtung Wasser an der Grenze zwischen Treptow und Kreuzberg. Am Spreeufer wollen die Macher des Clubs mit Fastfood-Restaurant und Tattoo-Studio eine neue Gartenanlage mitnutzen. Die Gegend ist mit dem Badeschiff, dem Club der Visionäre und dem Lido schon jetzt ein beliebtes Ziel für Partygänger. „Wir werden viel weniger Miete bezahlen an einen dankbaren, nicht größenwahnsinnig gewordenen Vermieter“, sagen die Macher des White Trash. Das alte Lokal am südlichen Ende der Schönhauser Allee steht auf einer Online-Plattform nun unter der Rubrik „zu vermieten“. Der Inhaber verlangt rund 17 000 Euro monatlich.

Dem White Trash ist es gelungen, einen neuen Standort zu finden, die Zukunft des Magdalena am Ostbahnhof bleibt hingegen ungewiss. Betreiber Daniel Mizgalski kündigt die vorerst letzte Party zu Ostern an. Da der Jugendclub mit Reggae-Programm Yaam auf Wunsch der Stadt auf das Gelände zieht, müssen sich Mizgalski und seine rund 60 Mitarbeiter um einen neuen Standort kümmern.

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