Berlin : Berliner Createure haben Umsatzzuwächse von 50 Prozent

Susanna Nieder

Während der Createure Woche gerät man immer wieder an Orte, die man bislang zumindest nicht von innen kannte. Das Restaurant Guy in der Jägerstraße mit seinem schönen Innenhof etwa, wo Janet Knaack eine wunderbar ausgewogene Kollektion zeigte, oder das Alte Stadthaus in der Jüdenstraße mit seiner großzügigen Pracht. Dort fand mit der Schau des Pelz- und Lederdesigners Olaf Fechner das bisherige Highlight der Createure Woche statt, in der sich 17 der 20 Mitglieder des Verbandes Berliner Createure (VBC) noch bis Donnerstag präsentieren.

Gezeigt wurden Mäntel und Jacken, Stolen, Kleider und Zweiteiler aus unterschiedlichen Pelzarten oder hauchdünnem Nappaleder. Jung wirkte das alles, hell und leicht. Viele legere Schnitte sah man und viel zum Wenden; seinem Anspruch, Pelz zur Alltagskleidung zu machen, kommt Fechner sehr nahe. Natürlich gab es auch die Art Pelzmantel, die unweigerlich Statussymbol ist, andererseits aber auch Innovationen wie das mit Leopardenmuster bedruckte Lammfell, bei dem selbst die Skeptikerin schwach werden könnte.

Zum rauschenden Erfolg der Präsentation trug die Professionalität aller Beteiligten von den Models bis zur Musik bei, die den Hintergrund für das lieferte, was eine Modenschau zum Ereignis macht: die Freude an der Mode. Obwohl das Publikum im Durchschnitt 20 bis 30 Jahre älter gewesen sein dürfte als beim Spaß-Höhepunkt der vergangenen Createure Woche, der Schau von Respectmen und von Herz+Stöhr, war der Jubel nicht weniger ausgelassen.

Die Mode spielt in der Stadt wieder zunehmend eine Rolle, und den Createuren haben ihre Aktivitäten zwischen 1997 und 1999 einen Zuwachs von beglückwünschenswerten 50 Prozent gebracht. Aber machen wir uns nichts vor. Deshalb Berlin in einem Atemzug mit Paris, Mailand oder Antwerpen, der Hauptstadt der experimentellen Kleidungskünstler zu nennen, ist wenig sinnvoll. Es gibt hier keine Avantgarde, schon allein deshalb, weil in Deutschland Mode als Wirtschaftsfaktor betrachtet wird und nicht als Kunst. Berliner Mode spielt international betrachtet keine Rolle. Trotzdem sind die Createure Profis. Das zeigt sich in den Schauen wie in den Kollektionen, ob man die konsequente Puristin Janet Knaack betrachtet, die hochmodischen, ausgezeichnet verarbeiteten Kreationen von Nardini Collection oder die feminine Eleganz von Anna von Griesheim, ergänzt durch Tim Gieseckes spielerische Pelzdetails.

Sie alle arbeiten für einen Kundenstamm, dessen Geschmack sie treffen müssen, wenn sie am Markt bleiben wollen. Ihre Schauen sind Kundenschauen. Es ist zwar nett von Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner, die Createure Woche in ihrer Bedeutung praktisch mit der Internationalen Funkausstellung gleichzusetzen, aber an der Realität geht es weit vorbei.

Bis zum Mauerbau im Jahr 1961 gab es den klassischen "Berliner Chic". Man fuhr nach Paris zu den Schauen, adaptierte das Gesehene für die Berlinerin und stellte es dann in deutscher Wertarbeit her. Wenn sich Berlin mit etwas vergleichen lässt, dann mit sich selbst, in kleinerem Maßstab. Und warum sollten wir nicht mit dem arbeiten, was vorhanden ist, anstatt herbeizureden, was nicht existiert. Wer weiß, was sich noch entwickelt.

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