Berlin : Berliner Dialektik

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über den neuen Reiz des landsmannschaftlichen Worts

Schweigen ist Gold, Reden ist Sexy. Jedenfalls, wenn wir der Logik des „Playboy“ folgen, der ja bekanntlich wegen der literarischen Texte gelesen wird. Neuester Clou zum Lesen ist dort eine hochseriöse EmnidUmfrage zum weltbewegenden Problem: Welcher Dialekt macht an?

Teile des Ergebnisses hätten wir geahnt, wenn uns nur die Frage vorher eingefallen wäre. Pfälzisch? Tote Hose. Badisch kommt auch nicht viel besser an, trotz des unbestreibaren Charmes der dort ansässigen Winzertöchter. Sächsisch? Hessisch babbeln? Geht so. Machen wir es kurz: Gewonnen hat das Bayerische, sehr dicht gefolgt vom Berlinern. Super, hätten wir gesagt, auch außerhalb der Lederhose jeht die Post ab, wa? Doch dann stellt sich das Ganze als trauriges Spät-Exempel der Mauer im Kopf heraus, denn das berlinische Wort törnt vor allem die Ost-Berliner/innen an, während der Westmensch die Hormone erst rauschen hört, wenn er auf, Achtung!, rheinländisch erotisiert wird.

Tragen wir es mit Fassung. Integration! Die Bonner sind nicht nur in Berlin angekommen, sondern auch in den Betten der Stadt. Jedenfalls im Westen...

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