Berliner Doppelmord : Beschuldigter Ehemann vor Gericht

Nach Todesschüssen auf seine Frau und einen Begleiter muss sich seit Mittwoch ein 48-jähriger Mann vor dem Berliner Landgericht verantworten.

Berlin (24.08.2005, 12:45 Uhr) - Der Angeklagte hatte am 20. Januar auf offener Straße in Berlin-Neukölln auf die sechsfache Mutter, ihren 42-jährigen neuen Partner und einen 33-jährigen Bekannten gefeuert. Der 42-Jährige entkam dem Kugelhagel unversehrt. Laut Anklage war es Rache, nachdem die Frau sich getrennt hatte. «Der Angeklagte gönnte ihr keinen anderen Mann», so der Staatsanwalt.

Eine Tochter saß weinend im Gerichtssaal und bezichtigte ihren Vater als Mörder. Der 48-Jährige hatte die Schüsse zuvor gestanden, aber betont, dass er weder seine Frau noch deren Begleiter habe töten wollen. Er habe seine Frau bis zuletzt geliebt und gehofft, sie kehre zu ihm zurück. Der einzige, den er habe treffen und verletzen wollen, sei der neue Freund gewesen. Der Angeklagte sagte, er sei völlig verzweifelt, dass er seinen Kindern die Mutter genommen habe.

Nach einem Termin beim Jugendamt habe er an jenem 20. Januar seine Frau um ein Gespräch gebeten. Er sei aber wie Luft behandelt und verhöhnt worden. Ihm seien die Sicherungen durchgegangen, er habe rumgeballert und dabei versehentlich auch den 33-Jährigen getroffen. Dann habe er weitergeschossen, bis das Magazin leer gewesen sei.

Der Angeklagte hat nach eigenen Angaben sehr unter der Trennung nach 22-jähriger Ehe gelitten. Der neue Partner sei außerdem zuvor ein Freund von ihm gewesen. Als der Angeklagte nach einem Selbstmordversuch aus dem Krankenhaus zurückkehrte, hatte seine Frau das Sorgerecht für die Kinder. Sie lebte mit dem Freund in der ehelichen Wohnung. «Ich fühlte mich wie Schrott aussortiert», sagte der Mann. (tso)

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