Berlin : Berliner Edelkompost für China

Brandenburger Firma will Biotonne retten

Ingo Bach

Die Berliner Stadtreinigung möchte die Biotonnen abschaffen. Ein Brandenburger Unternehmer will das verhindern. Michael Kühn, der Gründer der Großkompostieranlage Biopur in Ludwigsfelde, plant, die Entsorgung des organischen Abfalls der Hauptstadt in die eigenen Hände nehmen. Wie berichtet, soll die Biotonne aus Kostengründen ab 2005 verschwinden und der Abfall mit dem normalen Hausmüll entsorgt werden. Derzeit prüft die Senatsumweltverwaltung das BSR-Konzept. Ende November wird der Senat entscheiden.

Noch sammelt die BSR jährlich 53 000 Tonnen Biogut ein – und lässt sie in umliegenden Verwertungsanlagen zu Kompost verarbeiten. Auch Michael Kühn hat mit seiner Firma gut vom Biogut gelebt. Jedes Jahr liefern die BSR-Sammelfahrzeuge etwa 15 000 Tonnen Bioabfall bei ihm an – das sind rund 1400 LKW-Ladungen. Er kompostiert die organischen Reststoffe und presst den nährstoffreichen Humus zu einem Pflanzgranulat namens „Biopur-Megarolls“ für Garten- und Zimmerpflanzen. Das Granulat ist in großen Baumärkten auch für den Heimgebrauch erhältlich. Das Aus der Biotonne träfe den Unternehmer hart, müsste er doch auf rund ein Viertel seiner Jahreskapazität verzichten. Die fünfzehn Arbeitsplätze seiner Firma seien gefährdet, so der Biopur-Chef.

Auch andere Brandenburger Komposter fürchten um ihre millionenschweren Investitionen. Dabei sei der Markt groß: Der Verband der Humus- und Erdenwirtschaft rechnet in Berlin ab 2010 mit einem Bioabfall-Anteil von 270 000 Tonnen, rund ein Viertel des Gesamthausmülls.

Kühn will davon nur einen Anteil. Er schlug jetzt dem Umweltsenator Peter Strieder vor, die Entsorgung der Biotonnen in den Außenbezirken der Stadt zu übernehmen – hier seien die Biotonnen gut akzeptiert und der Inhalt wegen des hohen Anteils an Gartenabfällen unproblematisch. Insgesamt kämen so rund 30 000 Tonnen Biogut zusammen. Die verunreinigten Tonnen in der Innenstadt aber, deren Küchenabfälle Gestank erzeugen und Ungeziefer anlocken, will er weiterhin der BSR überlassen. Für die Entsorgung „seiner“ Biotonnen möchte er auch Personal und Technik von der BSR übernehmen. Die Umweltverwaltung prüfe den Vorschlag noch, sagt Strieders Sprecherin Petra Reetz.

Kühn träumt von einem globalen Markt für seinen veredelten Kompost. Er kooperiert mit der Universität im chinesischen Wuhan. Dort experimentiert man mit seinem düngerreichen Pflanzengranulat, den Megarolls, um Wüstenflächen so aufzubereiten, dass sie begrünt werden können. Der erste Container ist schon in der Erde. Ingo Bach

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